14.01.2018 12:42
Quelle: schweizerbauer.ch - Lis Eymann, lid
Solothurn
Schöne Lage birgt auch Gefahren
Er ist ein kleines Paradies. Wer auf dem Muttenhof ankommt, möchte am liebsten bleiben und ein paar Tage Ferien verbringen. Der Landwirtschaftsbetrieb der Familie Lehmann liegt direkt an der Aare unweit von Solothurn. Ein beliebter Spazier- und Radweg gleich hinter dem Hof lockt an schönen Wochenenden massenhaft Städter an. Das erfordert zuweilen gegenseitige Rücksicht.

Hinter dem Hof die Aare, vor dem Hof die praktisch unverbaute Sicht auf die majestätische St. Ursenkathedrale in Solothurn. Über die Lage des Betriebes der Familie Lehmann kann manch einer neidisch werden.Welcher Bauer hat schon die Möglichkeit, nach getaner Arbeit rasch einen Sprung in einen Fluss zu machen und das direkt vor seiner Haustür?

„Dieser exquisite Standort war mitunter ein Grund, warum ich mich entschieden habe, den Betrieb meiner Eltern zu übernehmen“, schmunzelt David Lehmann. Neben den unzähligen Vorzügen der Ufernähe besteht jedoch auch eine ernstzunehmende Gefahr: Die Familie Lehmann musste den Spielplatz ihrer beiden Kinder Andrin und Jannis gut umzäunen.

Campingplatz in der Nähe

Direkt neben dem Spielplatz weiden die rund 15 Mutterkühe in der Hochstammanlage mit über 100 Hochstammbäumen. Der Hof grenzt an die touristischen Attraktionen der Stadt. Die Badi Solothurn ist bloss 1 km entfernt, das Stadtzentrum von Solothurn rund 5 km.

Auch der Campingplatz liegt in unmittelbarer Nähe. Der nächste Nachbar ist die Bootswerft Lehmann, mit dem die Familie ein lockeres, einvernehmliches Nachbarschaftsverhältnis pflegt. Die vorbeituckernden Boote stören die Lehmanns ebenso wenig wie die weidenden Kühe den Bootsbauer. Es herrscht ein friedliches Nebeneinander. 

Toleranz ist gefragt

Was dem Bauer mehr Geduld abverlangt, ist der Spazier- und Radweg, der unmittelbar vor dem Hof durch das weite, schöne Gebiet der Solothurner Witi läuft. Eine Schutzzone, in der offene Ackerlandschaften erhalten werden sollen. Ein Lebensraum, der für Tiere und Pflanzen, insbesondere für Vogelbrutstätten und Hasen von nationaler Bedeutung ist.

Zugleich ist die Witi am Jurasüdfuss auch ein Naherholungsgebiet. Da herrscht an schönen Wochenenden Hochbetrieb. Massenweise tummeln sich Städter zu Fuss oder mit dem Fahrrad auf dem Weg vor dem Hof. Manche mit dem Ziel, kurz einen Abstecher auf den nahegelegenen Campingplatz an der Aare zu machen.

Schweizerisches Problem

Ab dem Muttenhof herrscht ein Fahrverbot und der geteerte Weg wird zum Kiesweg. Weil aber manche glauben, dies sei schon vor dem Abschnitt bis zum Hof der Fall, muss sich die Familie hin und wieder einiges anhören. „Insbesondere wenn man ein wenig im Stress ist, kann das teilweise schon nerven, wie man angegangen wird“, findet David Lehmann. Er wünscht sich hier etwas mehr Toleranz.

„Aus meiner Sicht ist das ein typisch schweizerisches Problem. Hierzulande ist es ein wenig eine Unart, dem anderen zu sagen, was er darf und was nicht“. Obwohl auf der Zufahrt zum Landwirtschaftsbetrieb mit grossen Lettern „Privat“ steht, verirren sich des Öfteren die Spaziergänger und landen auf dem Hof.

Das wäre grundsätzlich kein Problem, wenn da nicht „Niro“ und „Zora“ wären. Die Mischlingshunde bewachen das Gelände. „Die wissen genau, wer hier sein darf und wer nicht“, meint Lehmann. Weil ein früherer Hund bei einem ungebetenen Besucher einmal zugebissen hat, musste die Familie auch schon mal für eine Spitalrechnung aufkommen. Darüber kann David Lehmann nur verständnislos den Kopf schütteln. Denn es ist unübersehbar, dass es sich um privates Gelände handelt, auch ohne die grossen weissen Buchstaben auf der Hofzufahrt.

Landleben der Moderne

David Lehmann arbeitet auswärts als Hardwareplaner in Langenthal und verbringt neben den Wochenenden nur einen Arbeitstag als Landwirt auf dem Muttenhof. Der 35-Jährige hat ursprünglich Elektroniker gelernt, war später an der Höheren Fachschule für Mikrotechnik in Grenchen und hat dann von 2013 bis 2015 die berufsbegleitende Nachholbildung auf der Rüti in Zollikofen absolviert.

„Mit diesen Ausbildungen habe ich mir viele mögliche Optionen geschaffen“, so Lehmann. Seit Anfang 2017 ist er nun Eigentümer des elterlichen Hofes, auf dem er Acker- und Futterbau betreibt und rund 50 Mastrinder und 15 Mutterkühe besitzt.

Schon seine Eltern hatten neben dem Bauernbetrieb zusätzliche Nebenerwerbe. Der Vater hat sich mit seiner Firma „Hot-Stop Zäune GmbH“ auf den Zaunbau spezialisiert. Gartenzäune, Zäune für Gewerbeliegenschaften und die Industrie sowie Tiergehege oder Freilaufzäune.

Zentrale Lage

Marianne, die Mutter von David Lehmann, betreibt mitunter einen Partyraum im untersten Geschoss des vor 7 Jahren neuerbauten Bauernhauses. Es werden Hochzeiten, Geburtstage oder Konfirmationen gefeiert. Dank der zentralen Lage des Hofes empfängt sie hier Gesellschaften aus den verschiedensten Regionen der Schweiz.

Werbung braucht sie dafür nicht zu machen. Die Mund-zu-Mund-Propaganda funktioniert reibungslos. Kein Wunder, denn der Raum liegt unmittelbar vor einer grosszügigen Terrasse mit direktem Anstoss an die Aare. „Eine weitere Möglichkeit wäre, in der Zukunft Ferien auf dem Bauernhof anzubieten“, meint David Lehmann auf seine Zukunftspläne mit dem Hof angesprochen. Die wunderbare Lage an der Aare - in Stadtnähe und trotzdem mitten in der Natur - wäre wie geschaffen dafür.

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