14.01.2018 11:24
Quelle: schweizerbauer.ch - Trudi Krieg
Thurgau
Frauen sollen Begabungen nutzen
In Frauenfeld und Ermatingen fanden heuer die ersten Thurgauer Landfrauentage statt. «Frausein ist wie Kräutertee – nur etwas komplizierter»: Unter dieses Motto stellte Entwicklungscoach Marcel Bäni sein Referat.

Regula Böhi-Zbinden, Präsidentin des Thurgauer Landfrauenverbands, begrüsste die Landfrauen und Gäste aus Partnerorganisationen und Politik in der voll besetzten evangelischen Stadtkirche Frauenfeld. Nebst in Frauenfeld fanden auch in Ermatingen die ersten Thurgauer Landfrauentage in diesem Jahr statt. 

Die Kollekte am Ausgang sei für die Hauspflege des Thurgauer Landfrauen-Verbandes, so Böhi und fügte hinzu, dass  noch  Hauspflegerinnen gesucht würden. Besonders willkommen hiess Böhi den Referenten Marcel Bäni und seine Frau Béatrice aus Igis GR. Viele kennen ihn auch als externen Kursreferenten von der Beratungsstelle  für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL/Agritop). 

Ein volles Klangbild

Urban Dörig, Vizepräsident,  überbrachte die Grüsse des  Verbande Thurgauer Landwirtschaft (VTL): «Nutze die Talente, die Du hast. Die Wälder wären sehr still, wenn nur die begabtesten Vögel sängen.»  Mit diesem Zitat des US-amerikanischen Geistlichen und Schriftstellers Henry van Dyke ermunterte er die Frauen, ihre Begabungen zu nutzen.

Es seien nicht nur die Lautesten, die sich nach vorne drängen und sich bemerkbar machen, auf die es ankomme. Es brauche auch die Leisen, Zurückhaltenden für ein volles Klangbild und Harmonie. Im Alltag, in der Familie, in der Schule, in den Vereinen gehe der ganze Gesang viel tiefer ins Herz als eine Stimme allein. Dörig dankte in diesem Sinn den Landfrauen für die gute Zusammenarbeit.  

«Frausein ist wie Kräutertee – nur etwas komplizierter», unter dieses Motto stellte Entwicklungscoach und Autor Marcel Bäni sein Referat. Er richtete  sich auf der Kanzel mit einem  Teekrug, einer Tasse und allerlei sonstigen Utensilien ein. «Nöd jufle! Jetzt machen wir erst eine Teepause.» Dabei verglich er das Frausein mit einem Kräutertee, tauchte den Beutel ein ins Teewasser, das sich bald hagebuttenrot färbte. So verbreite sich die je eigene Atmosphäre, wenn sich Frau in ihre Umgebung eintauchen lasse, nach ihrem Vermögen wirke. 

Griechische Philosophie

Die unterschiedliche Denkweise von Mann und Frau, was der Frau den Selbstwert gibt  und über das Müssen und Wollen philosophierte Bäni, während er genüsslich den Tee in luftiger Höhe kredenzte. Schmunzeln bis lautes Lachen im Kirchenschiff zeigten an, dass Bänis Ausführungen verstanden wurden, an allzu Menschliches rührten oder dass vielleicht die eine oder andere Frau gerne gekontert hätte, ebenfalls mit Humor natürlich.

Bäni, der auch in der Jugendarbeit wirkte, hob die Wichtigkeit der Mütter hervor: «Sie ziehen jetzt die Kinder gross, welche sehr kreativ sein müssen, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern.» Unsere Gesellschaft funktioniere nach der griechischen Philosophie. Jemand sein heisse, etwas erreichen, materielle Güter anhäufen, Ansehen gewinnen.

Dann komme der Moment, wo wir mit der Endlichkeit des Lebens konfrontiert werden. Bäni hielt ein Band in der Hand, das die Lebensspanne symbolisierte. Jahr für Jahr schnipselte er ab bis zum Nichts. Anders das hebräische Prinzip, wie es die Geschichten der Bibel lehren: «Du musst nicht jemand werden, du bist schon dich selber.» Was zähle, sei das Heute. Vergangenheit und Zukunft wirken zwar auch hinein, aber wir leben jetzt. 

Weitere Landfrauentage finden statt am Dienstag, 16. Januar, Evang. Kirche Weinfelden, 14.15 Uhr und am Mittwoch, 17. Januar, Evang. Kirche Neukirch-Egnach, 14.15 Uhr 

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