19.01.2015 07:14
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Winter
Bis zu 117 cm Neuschnee
Der Winter hat sich am Wochenende mit viel Schnee zurückgemeldet - in den Bergen stellenweise mit mehr als einem Meter Neuschnee. Vor allem im Gotthardgebiet und im Puschlav stieg dadurch die Lawinengefahr. Das Engadin war zeitweise praktisch von der Aussenwelt abgeschnitten.

Das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF warnte in seinem Lawinenbulletin vor «grossen Triebschneeansammlungen», die störanfällig seien. Es rechnete mit zahlreichen kleinen und mittleren spontanen Lawinen. Das SLF riet dringend von Schneesport abseits gesicherter Pisten ab. Die Lawinengefahr sei fast im ganzen Alpenraum erheblich.Lawine verschüttet zwei Skifahrer

Die Warnungen wurden aber offensichtlich ignoriert: Kurz unterhalb des Gipfels des Piz Nair bei St. Moritz kamen am Sonntagnachmittag zwei Skifahrer ausserhalb der Piste in eine Lawine. Ein 61-Jähriger Deutscher, der teilweise verschüttet wurde, konnte von einem weiteren Skifahrer rasch geborgen werden. Ein 51-jähriger Deutscher dagegen lag rund eine Stunde unter den Schneemassen begraben, bevor er durch Rettungskräfte geborgen wurde. Der Mann wurde schwer verletzte per Helikopter in Spital geflogen.

Schneeberge auf dem Gotthard

Gemäss dem SLF waren vom Freitag auf Samstag auf der Alpensüdseite der meiste Schnee gefallen, dies entlang des Gotthardmassivs und im Engadin. In Maloja GR und in San Bernardino GR wurden 117 respektive 100 Zentimeter Neuschnee gemessen. In Sils-Maria GR wuchs die Schneedecke um 69 Zentimeter, in Simplon Dorf VS um 57 Zentimeter und in Andermatt UR um 49 Zentimeter. Elm GL verzeichnete 46 Zentimeter und Ulrichen VS 29 Zentimeter Neuschnee, wie der Webseite von MeteoSchweiz zu entnehmen ist.

Auf Sonntag fielen verbreitet nochmals 20 bis 30 Zentimeter Neuschnee. Allerdings beruhigte sich die Lage und besonders in den zentralen und östlichen Alpen war es recht sonnig. Die Wetterextreme lagen so nahe beieinander wie selten: Während das Thermometer in Lugano knapp plus 10 Grad anzeigte, wurden laut SRF Meteo in La Brévine minus 22 Grad gemessen.

Lange Wartezeiten vor Autoverlad

Der Schneefall führte vor allem im Kanton Graubünden zu Verkehrsbehinderungen: Wegen Lawinengefahr wurde am Samstag im Engadin der Postautobetrieb zwischen Sils-Baselgia, Dotturas und Maloja eingestellt. Zwischen Preda und Bever war die Albulalinie der RhB für den Bahnverkehr bis am frühen Samstagabend unterbrochen. Die Züge von Chur nach St. Moritz fielen zwischen Bergün und Samedan aus. Die Bernina-Linie zwischen Cavaglia und Cadera war wegen umgestürzter Bäume zwischenzeitlich ebenfalls gesperrt worden.

Auch auf der Strasse war das Engadin nur schwer erreichbar. Da der Julierpass bis Sonntagmittag aus Sicherheitsgründen gesperrt blieb, war das Engadin auf Schweizer Seite nur mit dem Autoverlad Vereina erreichbar. In der Folge kam es laut dem Verkehrsinformationsdienst viasuisse zu Wartezeiten von bis zu drei Stunden. Auch der Lukmanier und der Maloja waren für den Verkehr gesperrt.

Wenig Blechschaden im Flachland - Stromausfall in Nidwalden

Die A13 von Graubünden ins Tessin wurde zwischen Thusis-Süd und der Verzweigung Bellinzona-Nord zeitweise für den Schwerverkehr gesperrt. Auf den Strassen im Kanton Graubünden kam es seit Freitagabend zu 27 Verkehrsunfällen, wie die Kantonspolizei Graubünden mitteilte. Verletzt wurde aber niemand.

Auch im Flachland kam es zu Verkehrsbehinderungen wegen des Schnees: Die Strecke zwischen Dietikon ZH und Wohlen AG der Bremgarten-Dietikon-Bahn war deswegen am Sonntagmorgen gesperrt. Auf den Strassen kam es besonders in der Ostschweiz zu zahlreichen Unfällen. Doch es blieb bei Blechschäden, verletzt wurde niemand, wie die Kantonspolizeien St. Gallen und Thurgau mitteilten.

In Nidwalden brachten Schnee und Eis für kurze Zeit die Stromversorgung zum Erliegen. Die Gemeinde Ennetmoos, sowie Teile von Stanssttad, Stans und Oberdorf waren am Samstagabend eine halbe Stunde ohne Strom, wie das Kantonale Elektrizitätswerk Nidwalden schrieb. Eis und Schnee hatten einige Leitungen so sehr beschwert, dass sie Bäume und Äste berührten. Darauf kam es zum Stromunterbruch.

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