8.01.2018 08:08
Quelle: schweizerbauer.ch - Christian Zufferey
Bern
Vom Pisten-Wettkampf in die Arena
Die ehemalige Skirennfahrerin Martina Schild und ihr Ehemann Claudio Borra züchten in Grindelwald im Berner Oberland Eringer Kühe. Sie nehmen mit ihnen auch an Ringkuhkämpfen im Wallis teil.

Der 21. Oktober 2017 war für die ehemalige Skirennfahrerin Martina Schild ein Freudentag. An jenem Tag hat sie nicht nur ihrem langjährigen Lebenspartner Claudio Borra ihr Ja-Wort gegeben, sondern auch ihr erstes gemeinsames Kind, den kleinen Milan, getauft.

Die beiden verbindet das Skifahren und die Landwirtschaft. Zusammen bewirtschaften sie in Grindelwald einen knapp 14 Hektar grossen Bauernhof. Weil Claudio Borra aber ein gebürtiger Walliser ist, halten sie zusammen etwa ein Dutzend Eringer Kühe, die sie melken und deren Milch sie überwiegend an Aufzuchtkälber vertränken.

Martina, geborene Schild, ist schon mit beidem aufgewachsen. «Meine Eltern und Grosseltern waren sportlich schon sehr aktiv, und mit der Zeit wurde das auch für mich immer spannender und interessanter», erzählt sie. Sie ist es sich aber auch schon von klein auf gewöhnt, im Sommer zu heuen. Da sie weniger mit Maschinen, dafür aber mehr mit dem Rechen gearbeitet hat, war das Heuen für sie sogar so etwas wie ein Krafttraining – die Zeit im Stall diente anderseits aber auch dem Abschalten.

Die Skirennfahrerin

In den Sommermonaten flog sie bisweilen aber auch dem Winter hinterher und trainierte in Ländern wie Neuseeland, Argentinien oder Chile. «Wir sind weit herumgekommen», erzählt sie, «aber wir mussten schon frühmorgens mit der Stirnlampe auf die Piste.» Die Anstrengungen machten sich bezahlt, als sie 2006 bei den Olympischen Spielen in Turin Silber und im Jahr darauf im kanadischen Lake Louise Gold gewonnen hat. Doch dann musste sie sich einer Rückenoperation unterziehen. Sie erzählt: «Noch während ich mich auf die Olympischen Spiele in Sotschi vorbereitet habe spürte ich, dass ich mich nicht mehr genug sicher und stabil fühle.» So ist sie vor vier Jahren zurückgetreten.

«Ich habe Martina kennengelernt, als ich als Service-Mann für Rennfahrer wie Fränzi Aufdenblatten oder Silvan Zurbriggen gearbeitet habe», erzählt Ehemann Claudio Borra. Er besass damals bereits zwei Kühe, die aber im Stall eines anderen Landwirts untergebracht waren. «Der Liebe wegen zog ich aber nach Grindelwald», ergänzt Borra. Mit seinen Eringer Kühen konnte er sich ein Stück Heimat ins Berner Oberland mitnehmen. «Ich mag ihren sehr speziellen Charakter und ihr Temperament», meint Borra.

Viel geleistet

Regelmässig nehmen Borras auch an Ringkuhkämpfen im Wallis teil – und besonders mit Lava konnten sich die beiden auch schon über beachtliche Erfolge freuen. Als Rind hat sie bereits das nationale Finale in Aproz gewonnen. Im Jahr darauf wurde sie als Erstmelk-Kuh Königin in Raron VS, und 2016 fürchteten manche Walliser gar, dass nach der in die Waadt verkauften Frégate die Krone ins Berner Oberland gelangen könnte. Letztlich hat sie ein einziges Duell verloren – gegen Königin Rubis aus dem Unterwallis. «Lava hat viel geleistet, aber auch viel Pech gehabt», erzählt Borra.

Einmal wäre sie fast an einem rostigen Nagel eingegangen, und konnte erst im Tierspital gerettet werden, ein andermal überlebte sie einen etwa 50-Meter-Sturz. Vielversprechend entwickelt sich nun Tochter Lalasse – auch sie hat als Rind einen Königinnen-Titel erkämpft. Für die Skirennfahrerin wiederholt sich dabei, was sie zu Beginn ihrer Karriere schon mal erlebt hat: «Es wird je länger je spannender und interessanter.» Doch statt sich selbst in Wettkämpfen zu messen, bleiben sie und ihr Ehemann nun am Rand der Arena und fiebern mit ihren Kühen mit.

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