10.06.2016 06:40
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
Schwache Bienen opfern sich für Kolonie
Eine parasitische Milbe bedroht das Leben von Bienenvölkern. Die Östliche Honigbiene hat dabei eine erstaunliche Überlebensstrategie: Befallene Larven sterben rasch, um die weitere Verbreitung des Parasiten zu verhindern. Davon berichtet ein internationales Forscherteam mit Schweizer Beteiligung.

Ihr Name klingt schon unheilvoll: Die parasitische Milbe Varroa destructor stellt wohl die grösste biologische Bedrohung der Westlichen Honigbiene Apis mellifera dar. Und damit eine Gefahr für Artenvielfalt, Bestäubung und Lebensmittelsicherheit.

Parasiten von Arbeiterinnen

Um Wege zu finden, den Parasiten nachhaltig zu bekämpfen, untersuchte ein Forscherteam mit Beteiligung der Agroscope und der Uni Bern, wie der ursprüngliche Wirt dieses Parasiten mit ihm klar kommt: die Östliche Honigbiene. Denn die Völker dieser Bienenart überleben den Befall.

Wie die Forscher kürzlich im Fachjournal «Scientific Reports» berichteten, sind die Larven der Östlichen Honigbiene empfindlicher gegenüber dem Befall durch die Varroamilbe und sterben früher. Anschliessend werden die toten Larven mitsamt der Parasiten von Arbeiterinnen entfernt.

Schwache Larven für ein starkes Volk

Die Beobachtung lasse vermuten, dass sich diese Schwäche entwickelt habe, um eine bessere soziale Immunität zu ermöglichen, schrieben Agroscope und Uni Bern in einer gemeinsamen Mitteilung am Donnerstag. Unerwarteterweise leisteten damit nicht die «starken», sondern die «schwachen» Individuen einen besonders wertvollen Beitrag zum Überleben der Kolonie.

Diese Erkenntnis habe grosse Bedeutung für die Imkerei: In den vergangenen 20 Jahren hatte sich die Widerstandskraft der Bienenvölker gegen Varroa destructor durch Züchtung kaum verbessern lassen. «Die Berücksichtigung der individuellen Empfindlichkeit bei künftigen Züchtungsprogrammen für A. mellifera wird zu widerstandsfähigeren Kolonien und zu einer nachhaltigen weltweiten Imkerei beitragen», liess sich Studienautor Peter Neumann von der Uni Bern zitieren.

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