21.05.2013 13:25
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Bienen
Insektizid-Verbot gilt erst ab dem 1. Dezember
Ob Insektizide für das Bienensterben verantwortlich sind, ist umstritten. Auch das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) hat aber im Gefolge der EU Einschränkungen für drei Produkte beschlossen. Nun spielt es den Ball der Politik zu.

Die Frage nach einem Verbot könne nicht allein aufgrund wissenschaftlicher Kriterien entschieden werden, sagte BLW-Vizedirektorin Eva Reinhard am Dienstag vor den Medien in Bern. «Es ist auch eine Frage der Gesellschaft, welche Gewichtung wir dem Schutzziel Biene zumessen», sagte sie. 

Reinhard sprach an einer Veranstaltung von scienceindustries, dem Wirtschaftsverband Chemie Pharma Biotech. Dieser wehrt sich zusammen mit dem betroffenen Agrochemie-Konzern Syngenta gegen die Einschränkungen für drei Insektizide, die die EU und die Schweiz Ende April beschlossen haben. 

Der Einsatz von Nervengiften der Neonicotinoid-Gruppe für die Behandlung von Mais- und Rapssaatgut soll ab Dezember für zunächst zwei Jahre verboten werden. Betroffen sind die Produkte Thiamethoxam der Basler Syngenta sowie Clothianidin und Imidacloprid der deutschen Bayer.

Geringe Sicherheitsmarge 

Gemäss einer Studie der Europäischen  Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) sind diese Schädlingsbekämpfungsmittel für das grassierende Bienensterben verantwortlich. Das BLW, das vorher alle Vorstösse für ein solches Verbot abgelehnt hatte, übernahm die EU-Leseart umgehend mit Verweis auf eine «geringe Sicherheitsmarge». 

Der Industrie bricht damit ein Millionengeschäft weg. Mit einem erfolgreichen Produkte setze Syngenta 300 Millionen Franken und mehr um, sagte Georg Diriwächter, Leiter Registrierung Pflanzenschutzmittel. Auf der anderen Seite belaufen sich die für die Entwicklung nötigen Investitionen nach seinen Angaben auf 200 Millionen Franken. 

Nicht nur für Bienen schädlich 

Neben dem wirtschaftlichen Schaden hat ein Verbot weitere Auswirkungen, wie BLW-Vizedirektorin Reinhard klarmachte. Pflanzenschutzmittel seien unverzichtbar, um mit dem steigenden Bedarf an Nahrungsmitteln Schritt zu halten, sagte sie. Ausserdem seien «Zielkonflikte» programmiert, weil es sich um Nervengifte handle, die nicht nur auf Schädlinge, sondern auch auf Menschen und Bienen wirkten. 

Die betroffenen Pharmaunternehmen müssen nun in weiteren Untersuchungen zeigen, dass insbesondere für Bienen ein geringes Risiko besteht. Zudem sollen neue technische Verfahren dazu beitragen, die Belastung mit dem Gift tief zu halten.

Risiko bewerten 

Die Gefährdung von Bienen kann in standardisierten Verfahren relativ gut abgeschätzt werden. Dann gilt es aber auch, das Risiko zu bewerten. «Das BLW entscheidet nicht allein, welches Risiko akzeptabel ist», sagte Reinhard. Es sei ein Entscheid, der international abgestimmt werde und in den sich auch Politik und Gesellschaft einbringen müssten. 

Diesse sind keineswegs untätig geblieben. Die Wissenschaftskommission des Nationalrats (WBK) fordert mit einer Motion vom Bundesrat, das Moratorium auf Sonnenblumenkulturen und auf weitere Insektizide auszuweiten. 

Greenpeace empört

Greenpeace zeigte sich empört, dass sich das BLW einseitig auf den Standpunkt der Industrie stelle, dass nur mit dem Einsatz von bienen- und umweltschädlichen Pestiziden sichere Erträge möglich seien. Um langfristig gute Erträge zu sichern, brauche es eine rigorose Umstellung auf eine chemiefreie und artenreiche Landwirtschaft, schreibt die Organisation in einer Mitteilung.

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