29.11.2017 15:35
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE/blu
Deutschland
Immer mehr Nandus: Bauern mit Einbussen
Ungeachtet der auch im deutschen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern immer heimischer werdenden Wölfe hat sich die Nandu- Population im Nordosten offenbar etabliert und breitet sich sogar weiter aus. Die Tiere fügen den landwirtschaftlichen Kulturen Schaden zu.

Wie das Schweriner Landwirtschaftsministerium auf Grundlage der diesjährigen Herbstzählung berichtete, leben derzeit in Nordwestmecklenburg 244 Tiere, darunter 148 Altvögel, 33 in diesem Jahr geschlüpfte Jungvögel und 63 weitere Tiere, bei denen sich Alter und Geschlecht nicht sicher feststellen liessen. Vor einem Jahr habe der Bestand noch bei 155 Alt- und 91 Jungvögeln sowie 20 weiteren Tieren gelegen.

Laut Darstellung des Ministeriums handelt es sich um die Nachkommenschaft von „Gehegeflüchtlingen“ aus dem schleswig-holsteinischen Grönau, die im Jahr 2000 freigekommen waren. Zwischen 2008 und sei die Zahl der Altvögel von 30 auf 80 Tiere angewachsen. Seither nehme die Population stetig zu und breite sich auch nördlich der A20, östlich bis Gross Rünz und westlich in angrenzende Gebiete Schleswig-Holsteins aus.

Eier in Gelege zerstört

Wie das Agrarressort weiter feststellt, ist nach Einschätzung des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) bislang nicht erwiesen, dass die ursprünglich in Südamerika beheimateten Laufvögel heimische Arten aus ihrem Lebensraum verdrängen. Wegen der von Nandus verursachten Schäden auf landwirtschaftlichen Kulturflächen sei allerdings in diesem Jahr nach einem Antrag des Kreisbauernverbandes Nordwestmecklenburg mit Ausnahmegenehmigung des Biosphärenreservatsamtes als untere Naturschutzbehörde das Anbohren von Eiern vorgenommen worden. Bis Mitte Mai habe man 118 Eier in neun Gelegen zerstört.

Was die Bevölkerung erfreut, ist zum Leidwesen der örtlichen Bauern. Sie beklagen seit Jahren, dass die Nandus Raps- und Zuckerrübenblätter in grossem Stil abfressen und so Schaden anrichten. Die Laufvögel ernähren sich in der Regel von Gras, Blättern und Samen. Frösche oder Mäuse gelangen nur selten auf ihren Speiseplan. Um zu wachsen, benötigen sie viel Eiweiss. Dies decken sie über pflanzliche Kost.

Keine einheimische Art, keine Entschädigung

Die Rapsfelder sind für die Nandus ein Schlaraffenland. Vor allem im Winter fressen sie innert kürzester Zeit ein Feld kahl. So auch bei Landwirt Hans-Friedrich Grube aus Utecht. Wie «Neues Deutschland» schreibt, haben die Vögel auf seinem Feld einen Schaden von 30'000 Euro (32'500 Fr.) verursacht.

Nebst dem Ernteausfall hat der Bauern auch eine grosse finanzielle Einbusse zu beklagen. Da Nandus nicht als einheimische Vögel gelten, gibt es vom Bundesland keinen finanziellen Ausgleich. Derzeit steht der Nandu auf der Grauen Liste. Auf die Graue Liste werden potenziell invasive Arten gesetzt, um diese durch die Behörden beobachten zu lassen. 

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