22.08.2013 06:32
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Graubünden
Bündner stimmen über Sonderjagd ab
Bündner Stimmberechtigte werden über den Fortbestand der traditionellen Sonderjagd befinden. Am Mittwoch wurde die kantonale Volksinitiative «Abschaffung der Sonderjagd» mit über 10'000 Unterschriften eingereicht - der höchsten Unterschriftenzahl seit mindestens 20 Jahren.

Für das Zustandekommen des Volksbegehrens wären 3000 Unterschriften notwendig gewesen. Die grosse Unterstützung zeige, so die Initianten, dass der Unmut über die Sonderjagd in der Bevölkerung «enorm gross» sei. Ein grosser Teil der Unterschriften stamme von Jägern, die gegenüber dem Wild Achtung empfänden. 

Die Sonderjagd wurde 1986 eingeführt, um die Regulierung der Wildbestände zu gewährleisten. Werden während der regulären Hochjagd im September zu wenig Tiere, insbesondere Hirsche und Rehe, geschossen, wird im Oktober und November die Sonderjagd angesetzt. 

Unmoralische Jagdszenen 

Die Initianten, nach eigenen Angaben Tierfreunde und Jäger, monieren, Sonderjagden würden seit langem ausnahmslos jedes Jahr durchgeführt. Dabei komme es immer wieder «zu moralisch, ethisch und jagdlich verwerflichen Szenen», da viele gesetzliche Regeln der ordentlichen Jagd ausser Kraft seien. Zudem würden die Tiere durch die spät im Jahr stattfindende Sonderjagd in der Vorbereitung auf den Winter gestört. 

Der Regierung und den Jagdplanern sei es nie gelungen, die Bestände mit der ordentlichen Jagd zu regulieren, insbesondere was Hirsche anbelange. 2012 etwa habe man auf der Sonderjagd mehr als 1600 Hirsche nachschiessen müssen, nachdem auf der ordentlichen Jagd nur 2800 erlegt worden seien. 

Sonderjagd umstrittenen

Die Initianten verlangen darum eine Anpassung der Jagdbetriebsvorschriften, damit die von der Regierung festgelegten Abschusszahlen auf der ordentlichen Jagd erreicht werden können. 

Die Sonderjagd ist seit ihrer Einführung stark umstritten, auch unter Jägern. Bestrebungen sie an der Urne abzuschaffen scheiterten aber bereits zwei Mal. 1994 wurde eine Initiative vom Kantonsparlament für ungültig erklärt wegen Unvereinbarkeit mit Bundesrecht, 2006 wurde ein gegen die Sonderjagd gerichtetes Referendum von den Stimmberechtigten verworfen.

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