10.06.2013 16:40
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier/blu
Bienen
Bienensterben: Bauernverband, Imker und Forschung warnen vor Pestizidverbot
Bauernverband, Bienenzüchtervereine und Agroscope wollen das Bienensterben stoppen. Sie fordern vom Bund mehr Ressourcen und warnen vor vorschnellen Pestizidverboten. Hauptschuldige sei die Varroa, betonen sie.

Der Schweizerische Bauernverband (SBV), der Dachverband schweizerischer Bienenzüchtervereine (Apisuisse) und die Forschungsanstalt Agroscope wollen das Bienensterben nicht weiter hinnehmen. Sie kündigten am Montag an einer Medienkonferenz in Bern einen nationalen Massnahmenplan an.  

Motion wird am Mittwoch behandelt

Er wird am kommenden Mittwoch im Rahmen einer Motion im Nationalrat erstbehandelt und vom Bundesrat zur Annahme empfohlen.  Gleichentags berät der Nationalrat auch über eine Motion zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln und darüber, ob das Neonikotinoidverbot ausgeweitet werden soll.

Der Massnahmenplan verlangt, dass bis bis Ende 2015 die Ursachen des Bienensterbens genauer erforscht, geeignete Strategien    entwickelt und die nötigen Massnahmen ergriffen werden. Dabei sollen alle Aspekte, welche die Bienengesundheit beeinträchtigen, berücksichtigt werden.

Im Fokus des Massnahmenplans stehen nicht in erster Linie die Pflanzenschutzmittel. SVB-Präsident und Imker Markus Ritter   betonte am Montag vor den Medien in Bern, dass die Varroamilbe die Hauptschuldige für die Probleme in der Bienenhaltung sei.  Der Parasit schwäche die Biene und mache sich anfällig für verschiedene Krankheiten, sagte Ritter. Er warnte deshalb vor vorschnellen Verboten von Pflanzenschutzmitteln: «Sie sichern die Erträge. Wir sollten sie nicht grundsätzlich in Abrede stellen, sondern die Anwendung optimieren.» «Noch fehlen wissenschaftliche Feldstudien», sagte Ritter gemäss Redetext.

Der Forschung sei mit den nötigen personellen und finanziellen Ressourcen auszustatten, lautete eine weitere Forderung. Langfristig soll der Pflanzenschutzmitteleinsatz auf das Nötige beschränkt und wo immer möglich reduziert werden. «Wir hoffen, von der Forschung bald verlässliche Antworten zu erhalten», hielt Ritter fest.

Handlungsbedarf unbestritten

Das Bienensterben sei ein komplexes Problem, bestätigte auch Ruedi Ritter, Leiter des Bienengesundheitsdienstes von Apisuisse: «Der grösste Feind der Biene ist die Varroa.» In welchem Ausmass andere Faktoren wie die Pestizide die Bienen schädigen und damit möglicherweise den negativen Einfluss der Varroa verstärken würden, sei erst ansatzweise bekannt.

Neben der Varroa und den Pestiziden schwächen gemäss Peter Gallmann von Agroscope auch andere Parasiten und Viren, Trachtlücken im Sommer und damit Futtermangel sowie der Elektrosmog die Bienen. Diese Zusammenhänge müsse man zwingend und dringend weiter erforschen: «Der Handlungsbedarf ist unbestritten. Was fehlt sind Kapazitäten und Infrastrukturen.»

Greenpeace will Einsatzstopp

Der Umweltschutzorganisation Greenpeace fordert Sofortmassnahmen. Die zusätzliche Forschung sei wichtig, brauche aber Zeit. «Die haben wir nicht», schrieb die Organisation am Montag in einer Mitteilung. Es brauche deshalb den sofortigen Einsatzstopp sämtlicher bienenschädlicher Pestizide.

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