27.07.2016 06:38
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
Bienen: Neonikotinoide stören Spermienqualität
Zwei Insektizide aus der Gruppe der Neonikotinoide verkürzen die Lebensspanne männlicher Honigbienen (Drohnen) und reduzieren bei ihnen die Zahl der lebenden Spermien. Erstmals hat ein Forscherteam unter der Leitung der Uni Bern die Wirkung der Insektizide auf Drohnen untersucht und beschrieben.

Die Studie sei zudem eine der ersten überhaupt, die sich mit den Auswirkungen der Neonikotinoide auf männliche Insekten befasst, teilte die Universität Bern am Dienstag mit. Ihre Ergebnisse beschreiben die Forschenden im Fachjournal «Proceedings of the Royal Society B».

Verschieden Faktoren

Bienenköniginnen müssen mit den gesunden Spermien mehrerer Drohnen befruchtet werden, damit sie - als einzige im Bienenvolk - Eier legen und die Kolonie so erhalten können. Schlechte Spermien beeinträchtigen aber ihre Legetätigkeit. Das Bienenvolk müsse sie deshalb ersetzen, was ressourcenintensiv und mit Risiken verbunden sei, so die Mitteilung. Eine schwache Gesundheit der Bienenköniginnen ist eine der Ursachen für das Bienensterben.

«Wir wissen, dass verschiedene Faktoren der Bienengesundheit schaden, darunter Parasiten und schlechte Ernährung. Agrochemikalien gehören auch dazu», erklärte Studienleiter Geoff Williams von der Uni Bern und Agroscope.

Wirkung auf Männchen bestätigt

Frühere Studien hatten bereits darauf hingewiesen, dass solche Chemikalien die Gesundheit weiblicher Honigbienen beeinträchtigen, jedoch hatten sich die meisten Studien auf die Arbeiterinnen beschränkt, die sich nicht fortpflanzen können. Über die Wirkung auf Männchen war hingegen nichts bekannt. Die neue Studie bestätigt nun, dass die Neonikotinoide Thiamethoxam und Clothianidin auch die Drohnen schädigen.

Der breite Einsatz dieser beiden Stoffe und des Neonikotinoids Imidacloprid wurde in Europa seit 2013 stark eingeschränkt, auch in der Schweiz. Derzeit läuft eine neue Abklärung durch die Bewilligungsbehörden Europas.

Risikoabschätzung dringend nötig

«Zusammen mit weiteren Studienergebnissen und der Bedeutung, die männliche Honigbienen für die Fortpflanzung der Gattung haben, unterstreichen unsere Resultate die Dringlichkeit von Risikoabschätzungen der Agrochemikalien, um die Biodiversität und Öksysteme zu erhalten», sagte Studienautor Peter Neumann von der Uni Bern gemäss Mitteilung.

Honigbienen erfüllen wie alle bestäubenden Insekten eine äusserst wichtige Rolle für das Ökosystem und somit auch für die Wirtschaft. Indem sie landwirtschaftliche Nutzpflanzen bestäuben, sichern sie Erträge und sind zentral für die Ernährungssicherheit. Die gesamte Bestäubungsleistung betrage jährlich mehrere Milliarden Euro, schrieb die Uni Bern.

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