12.09.2017 15:15
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Bienen
Bienen mit 350 Millionen Nutzwert
Die Forschungsanstalt Agroscope hat die Bestäubungsleistung der Honig- und Wildbienen in der Schweiz untersucht. Nebst Obst- und Beerenflächen werden auf 14% der Ackerfläche bestäubungsabhängige Kulturen angebaut. Nicht überall in der Schweiz hat es genügend Bestäuber zu Verfügung. Deshalb sollen die Bienen besser geschützt werden.

Seit dem Film «More than Honey» ist einer breiten Bevölkerungssicht die Wichtigkeit der Honig- und Wildbienen bekannt. Die Dokumentation machte deutlich, welche Leistung die Insekten vollbringen.

Agroscope hat nun die Bestäubungsleistung in einer Studie ermittelt. Insgesamt werden in der Schweiz auf rund 50‘000 Hektaren bienenbestäubungsabhängige Kulturen angebaut. Davon entfallen 38‘000 ha auf Ackerkulturen, 10‘000 ha auf Obst und 3‘200 ha auf Beeren. Obwohl sie flächenmässig weniger bedeutend sind, erzielen Obst und Beeren eine hohe Wertschöpfung, und sind gleichzeitig stark von der Insektenbestäubung abhängig. Ertrag und Qualität von Raps, Sonnenblumen oder Ackerbohnen können durch eine optimale Bestäubung erhöht werden.

Wildbienen und Honigbienen gleichwertig

Erstmals für die Schweiz berechnete der Agroscope-Forscher Louis Sutter den direkten Nutzwert der Bestäubungsleistung von Honig- und Wildbienen. Dieser wird auf 350 Millionen Franken geschätzt. Der Wissenschaftler setzte den Ertragswert der in der Schweiz produzierten Mengen mit der Abhängigkeit der jeweiligen Kultur von der Bestäubung in Beziehung und konnte so den Wert der Bestäubungsleistung der Honig- und Wildbienen eruieren.

Wildbienen und Honigbienen tragen gleich viel zu der Wertschöpfung von 350 Millionen bei. Systematische Untersuchungen gibt es nicht. Bei Ackerbohnen und vielen Obstkulturen sind Wildbienen aber effizienter im Bestäuben, da sie auch tieferen Temperaturen und bei leichtem Regen aktiv sind.  Die Honigbienen hingegen sind bereits früh im Jahr in grossen Anzahl präsent. «Honigbienen und Wildbienen sind deswegen komplementär und bringen zusammen eine effiziente und gesicherte Bestäubung», so Agroscope.

Blühstreifen als Win-win-Beispiel

Um die Bestäubung in der Landwirtschaft zu sichern, schlagen die Forscher Massnahmen vor. Nist- und Überwinterungshabitate sowie ein vielfältiges, kontinuierliches Nahrungsangebot wie Buntbrachen, Hecken oder Blühstreifen werden als Massnahme genannt. Als Vorzeigebeispiel nennt Sutter die direktzahlungsberechtigten Blühstreifen. Diese hätten einen positiven Effekt auf den Ertrag der angrenzenden Kulturen.

Weiter ging Sutter der Frage nach, ob es in der Schweiz genügend Honigbienen für die Bestäubung gibt. Er untersuchte, wo diese bestäubungsabhängigen Kulturen in der Schweiz angebaut werden und verglich ihre Verteilung mit der Verteilung der Bienenvölker. Defizite gibt es vor allem im westlichen Mittelland und im Wallis. Hier sei es wichtig, dass alternativ eingesetzte Bestäuber oder Wildbestäuber mögliche Bestäubungslücken schliessen, schreibt Agroscope.

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