12.04.2017 11:19
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Deutschland
Bauern hoffen – Nandus droht Abschuss
Im deutschen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern wird die Nandu-Population immer grösser. Die bis zu einem 1.40 Meter grossen Vögel verursachen Schäden in landwirtschaftlichen Kulturen. Nun soll der Bestand reduziert werden.

Die Heimat des 1.35 bis 1.40 grossen Vogels ist das Savannengebiet in Südamerika. In Argentinien, Uruguay und Brasilien lebt der flugunfähige und bis 25 Kilo schwere Nandu im Grasland. Nun hat sich aber auch eine Population an der Landesgrenze zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein festgesetzt.

220 Tiere

Diese wird immer grösser. Wie der «NDR» berichtet, umfasst diese bereits 220 Tiere. Vor einem Jahr waren es noch 160. Die Population in Norddeutschland ist die einzige freilebende in Europa. Nun soll es den Laufvögeln an den Kragen gehen. Dies gab zumindest das Agrarministerium von Mecklenburg-Vorpommern diese Woche bekannt. Dieses will die Population dezimieren, denn Bauern klagen seit Jahren über Schäden an ihren Kulturen.

Die in Deutschland freilebenden Nandus sind im Jahr 2000 aus einem Privatgehege in Schleswig-Holstein ausgebüxt. Drei Hähne und vier Hennen suchten damals das Weite. Bereits ein Jahr später hatten sich die Vögel erfolgreich fortgepflanzt. Im Jahr 2004 wuchs die Population auf 20 Tiere an, 2009 waren es bereits 90 Tiere. Im März 2001 wurde die Marke von 100 Nandus überschritten. Im März 2017 ist die Population in dem rund 100 Quadratkilometer grossen Gebiet nördlich von Ratzeburg (zwischen Schattin und Utecht) auf 220 Tiere angewachsen.

Was die Bevölkerung erfreut, ist zum Leidwesen der örtlichen Bauern. Sie beklagen seit Jahren, dass die Nandus Raps- und Zuckerrübenblätter in grossem Stil abfressen und so Schaden anrichten. Die Laufvögel ernähren sich in der Regel von Gras, Blättern und Samen. Frösche oder Mäuse gelangen nur selten auf ihren Speiseplan. Um zu wachsen, benötigen sie viel Eiweiss. Dies decken sie über pflanzliche Kost.

Keine einheimische Art, keine Entschädigung

Die Rapsfelder sind für die Nandus ein Schlaraffenland. Vor allem im Winter fressen sie innert kürzester Zeit ein Feld kahl. So auch bei Landwirt Hans-Friedrich Grube aus Utecht. Wie «Neues Deutschland» schreibt, haben die Vögel auf seinem Feld einen Schaden von 30'000 Euro (32'500 Fr.) verursacht.

Nebst dem Ernteausfall hat der Bauern auch eine grosse finanzielle Einbusse zu beklagen. Da Nandus nicht als einheimische Vögel gelten, gibt es vom Bundesland keinen finanziellen Ausgleich. Derzeit steht der Nandu auf der Grauen Liste. Auf die Graue Liste werden potenziell invasive Arten gesetzt, um diese durch die Behörden beobachten zu lassen.

Abschuss wird geprüft

Der Bestand soll nun aber dezimiert werden. Noch in diesem Jahr solle eingegriffen werden, lässt das Agrarministerium von Mecklenburg-Vorpommern verlauten. Wie dies geschehen soll, ist noch offen. Geprüft wird das Einsammeln von Eiern oder der Abschuss von einzelnen Tieren, wie die «Lübecker Nachrichten» schreiben.

Bevor aber zum Gewehr gegriffen werden kann, müssen noch rechtliche Abklärungen getroffen werden. Weil die Nandus durch das Washingtoner Artenschutzabkommen geschützt sind, dürfen sie nicht gejagt werden. Nur in Ausnahmefällen ist die Tötung erlaubt. Solch ein Fall dürfte nun aber gegeben zu sein. Rechtlich abgesichert wäre der Abschuss durch das Bundesnaturschutzgesetz, schreibt «Neues Deutschland». Danach sind «artenschutzrechtliche Ausnahmen» möglich, um erhebliche wirtschaftliche Schäden abzuwenden.

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