24.11.2014 06:48
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Vogelgrippe
Vogelgrippe: 13 Millionen Nutzgeflügel mit Unterbringungspflicht
Erstmals in Europa ist das gefürchtete Vogelgrippe-Virus H5N8 bei einem Wildvogel nachgewiesen worden. Entdeckt wurde es in einer Krickente, die im Rahmen der Wildvögel-Überwachung auf der Insel Rügen im deutschen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern geschossen wurde.

Dies sagte Agrarminister Till Backhaus am Samstag in Schwerin. Damit erhärtet sich der Verdacht, dass die Ausbrüche der vergangenen Wochen in Nutztierställen in Europa auf eine Übertragung aus der Wildvogelpopulation zurückgehen.

«Es ist ein weiterer Hinweis, dass Wildvögel daran beteiligt sein könnten», sagte die Sprecherin des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Elke Reinking, der Deutschen Presse-Agentur dpa. Das FLI ist das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit auf der Insel Riems. Sämtliches Geflügel in betroffenen Haltungen muss getötet werden, denn das Virus ist hochansteckend. Die Krickente auf Rügen hatte Backhaus zufolge keine äusseren Anzeichen der Krankheit.

40'000 Halter von Erlass betroffen

Für Mecklenburg-Vorpommern ordnete Backhaus noch am Samstag die sofortige Unterbringung aller rund 13 Millionen Hühner, Truten und Enten sowie von anderem Nutzgeflügel in Ställen oder überdachten Volieren an. Rund 40'000 Halter sind von dem Erlass betroffen.

Die Tiere dürfen auch nicht mit Oberflächenwasser getränkt werden. Damit soll jeder Kontakt mit Wildvögeln und deren Ausscheidungen verhindert werden. Das Landesministerium hat ein Bürgertelefon für Fragen rund um die Geflügelpest eingerichtet.

Noch kein Sperrbezirk eingerichtet

Bei dem Virus in der Krickente von Rügen handele sich um exakt den gleichen Erreger, der bei den bisherigen Ausbrüchen in Deutschland und den Niederlanden nachgewiesen wurde, sagte Backhaus. Zu dem H5N8-Virus, das in Grossbritannien festgestellt wurde, gebe es nur sehr geringe Abweichungen.

In einem Drei-Kilometer-Umkreis um den Fundort der Krickente auf der Halbinsel Ummanz stehen die Geflügel-Haltungen seit Samstag unter besonderer Beobachtung. Neben kleinen Hobby-Ställen gibt es dort zwei grössere Betriebe mit zusammen 4300 Tieren, wie es hiess.
Im Umkreis von zehn Kilometern werde ebenfalls genauer hingeschaut - dort gebe es noch einmal drei grosse Haltungen mit zusammen mehr als 100'000 Tieren. «Ein Sperrbezirk wurde aber nicht eingerichtet», betonte Backhaus.

Krickenten äusserst mobil

In einem Mastbetrieb für Trutenin Heinrichswalde im Landkreis Vorpommern-Greifswald - mehr als 50 Kilometer entfernt von dem Ort, an dem die Krickente geschossen wurde - war die Vogelgrippe Anfang November ausgebrochen.

Rund 31'000 Puten wurden getötet, nachdem etwa 2000 Tiere verendet waren. Weitere Ausbrüche der Geflügelpest gab es später in Grossbritannien und in den Niederlanden, wo am Samstag in einem Betrieb die Schlachtung von etwa 8000 Enten angeordnet wurde. Das Virus H5N8 war zuvor aus Ostasien bekannt.

Krickenten sind dem Minister zufolge äusserst mobil und legen Entfernungen von bis zu 8000 Kilometern zurück. Die kleinen Wildenten - das Männchen werde 400 Gramm, das Weibchen 300 Gramm schwer - lebten in grosser Zahl am Baikalsee in Sibirien. Tiere von dort seien in Südkorea beobachtet worden und sie flögen auch bis nach Europa.

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