19.12.2017 10:25
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Deutschland
Rinderherpes: 400 Tiere vor Tötung
Im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen wurde in einem Betrieb bei Stadtlohn die hochansteckende BHV1-Tierseuche entdeckt. 400 Rinder und Kühe müssen geschlachtet werden.

Nun werden auch die Rindviehbestände Umfeld des betroffenen Hofes auf BHV1 überprüft, schreibt die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Im Kreis Borken gibt es rund 1700 Rinderhalter, rund 650 von ihnen halten Milchvieh. Bei der bislang letzten Viehzählung wurden kreisweit rund 214'000 Rinder gezählt, darunter etwa 43'000 Milchkühe, schreiben die «Ruhr Nachrichten»

Erst im Sommer 2017 wurde Nordrhein-Westfalen als letztes Bundesland frei vom Bovinen Herpesvirus Typ 1 (BHV1) erklärt. Damit galt ganz Deutschland frei von dieser Seuche. Mit der Anerkennung der BHV1-Freiheit entfielen kostspielige Auflagen für die Vermarktung von Rindern innerhalb Deutschlands. Zudem entstünden Marktvorteile beim Verkauf von BHV1-freien Tieren in andere EU-Mitgliedstaaten und Drittländer, schrieb topagrar.com im Juni 2017.

Um den Status BHV1-frei zu halten, müssen die Behörden von Nordrhein-Westfalen die akuten Seuchenherde möglichst schnell beseitigen. Das Fleisch der 400 Tiere kann weiterverarbeitet werden, da die Krankheit für den Menschen ungefährlich ist.

Wie Kreisveterinär Manfred Ulrich gegenüber der «Ruhr Nachrichten» sagt, ist der Fall für den betroffenen Landwirt wirtschaftlich ein schwerer Schlag. Zwar ersetze die Tierseuchenkasse je nach Alter und Milchertrag der Kühe einen bestimmten Ertrag, von dem aber der Schlachtwert abgezogen werde, so der Veterinär. Der landwirtschaftliche Kreisverband schätzt den Vorfall für den Landwirt gar als existenzgefährdend ein. Zudem sei die Erkrankung der Herde für die Familie eine psychische Belastung.

Die Abkürzung steht für den Bovine Herpesvirus 1 und kann bei Rindern schwere Erkrankungen der oberen Atemwege und Entzündungen der Genitalien auslösen. Eine Besonderheit bei beiden Verlaufsformen dieser Infektionskrankheit besteht darin, dass ein einmal infiziertes Tier lebenslang Virusträger bleibt. Diese Tiere erscheinen gesund, tragen jedoch das Virus in sich und können es jederzeit unter bestimmten Voraussetzungen (z.B. bei Stresssituationen wie Kalbung, Stallwechsel etc.) wieder ausscheiden und so weiterverbreiten. Das macht die BHV1-Sanierung in Rinderbeständen relativ schwierig, CVUA auf seiner Website. BHV1 verursacht insbesondere als „Handelserkrankung" durch Restriktionen im Hinblick auf die Vermarktung von Rindern wirtschaftliche Verluste. 

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