21.05.2014 17:34
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Bern
Rätselhaftes Bienensterben: Noch keine Klarheit
Ende April entdeckten die Imker in der Region Zäziwil BE halbseitig gelähmte oder flugunfähige Bienen, die wie betrunken wirkten. Später stellte sich heraus, dass von diesem Phänomen 172 Bienenvölker von 23 Bienenständen betroffen waren. Imker Walter Leuenberger geht von über einer Million toter Bienen aus.

Bienen-, Pollen, Futter- und Pflanzenproben wurden in der Folge zur Analyse ins Labor geschickt. Bei Obstproduzenten wurden die Spritz-Journale eingesehen, in denen aufgeführt wird, welche Pflanzenschutzmittel wann und wo eingesetzt wurden.

Verantwortlicher Stoff nicht gefunden

An einem Informationsabend am Dienstag in Zäziwil informierte der Bienengesundheitsdienst über erste Laborergebnisse. Die Präsentation liegt der Nachrichtenagentur sda vor. Die Analyseergebnisse brachten noch keine Klarheit: Es sei «kein Stoff eindeutig für das Bienensterben verantwortlich».

Leuenberger, der in den vergangenen vier Wochen fast täglich in der Angelegenheit unterwegs war, ist enttäuscht. Der Imker hatte «auf einen Fund gehofft, der uns weiterbringt», wie er auf Anfrage sagte. Doch die Resultate seien nicht eindeutig. Er wartet nun auf vertiefte Analysen. «Ich gebe nicht auf. Ich will herausfinden, was es war und wer es gemacht hat.» Die Imker der Region haben am 29. April eine Anzeige gegen Unbekannt erstattet.

Bienengefährliches Insektizid gefunden

Gemäss Präsentation des Bienengesundheitsdienstes suchen die Labors derzeit noch nach biologischen Pflanzenschutzmitteln wie Seife oder Paraffin - aber auch nach Abbauprodukten von Imidacloprid in den Bienen sowie nach unerlaubten Wirkstoffen. Doch die Suche erweist sich als schwierig.

Greenpeace nennt das Insektizid Imidacloprid in einem am Mittwoch veröffentlichten Kommentar «extrem bienengefährlich». Forscher haben an einzelnen Bienen nachweisen können, dass das Insektizid das Nervensystem von Bienen beeinträchtigen kann; sie verlieren die Orientierung. Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde macht dieses und andere Pestizide für das grassierende Bienensterben verantwortlich.

Es fehlen ein bis zwei Generationen

Der Stoff darf seit dem 1. Dezember 2013 in der EU für die Dauer von zwei Jahren nicht mehr für den Anbau von Mais, Sonnenblumen, Raps und Baumwolle verwendet werden. In der Schweiz gilt das Verbot für Raps- und Maissaatgut. Im Emmental wurde das Insektizid gemäss Präsentation des Bienengesundheitsdienstes dennoch im eingesammelten Pflanzenmaterial gefunden.

Im Emmental sterben nach wie vor Bienen. Seit ungefähr 10 Tagen nicht mehr wegen der Vergiftung: Zum Teil müssten Völker oder Teile davon vernichtet werden, weil es zu wenig Bienen habe, um die Brut zu pflegen, erklärt Leuenberger. «Die meisten betroffenen Völker werden sich nicht mehr erholen. Es fehlen ein bis zwei Generationen.» Einzig das Wetter könne den Bienen etwas helfen.

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