18.11.2014 08:01
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Geflügel
Geflügelpest: Bund prüft Massnahmen
Die Vogelgrippe hat sich bis nach Grossbritannien ausgebreitet. Nach Fällen in Deutschland und den Niederlanden ist die auch für Menschen potenziell gefährliche Geflügelpest am Montag auf einer Farm in der Grafschaft East Yorkshire nachgewiesen worden. Die Schweiz prüft weitere Massnahmen.

Es ist der erste Fall von Vogelgrippe auf der Insel seit 2008. Alle 6000 Tiere des betroffenen Hofes sollen gekeult werden. Anders als in Deutschland und Holland wurde die Erreger-Variante H5N8 in England noch nicht bestätigt; Indizien deuteten aber darauf hin.

Gefahr für Menschen gering

In Paris sagte der Chef der Weltorganisation für Tiergesundheit, Bernard Vallat, zwischen den Vogelgrippe-Fällen in Deutschland, den Niederlanden und Grossbritannien könne es möglicherweise einen Zusammenhang geben.

Gewissheit werde es geben, wenn die genetischen Eigenschaften der Viren in den drei Fällen verglichen werden könnten. Das werde aber noch einige Zeit dauern. Das Virus wurde allerdings bislang nur in jeweils einem Agrarbetrieb der betroffenen Länder festgestellt. Eine H5N8-Übertragung auf den Menschen kann nach Angaben von Experten grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden. Dies sei aber bislang bei diesem Subtyp nie beobachtet worden. Fachleute warnen vor Panik.

Wildvögel als mögliche Überträger

Das Virus könnte über Wildvögel verbreitet worden sein, wie der Präsident des deutschen Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Thomas Mettenleiter, der Nachrichtenagentur dpa sagte. Alle drei Betriebe lägen auf Zugrouten von Wildgänsen. Nachweise des H5N8-Erregers in europäischen Wildvogelbeständen habe es aber noch nicht gegeben.

Dieser These widersprechen allerdings Experten der Schweizerischen Vogelwarte Sempach. «Es gibt keinerlei Übereinstimmungen mit dem Vogelzugmuster», sagte Vogelwarte-Sprecher Matthias Kestenholz auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Schon beim Ausbruch von 2005/2006 seien Wildvögel im Verdacht gestanden, die Viren eingeschleppt zu haben. Doch es zeigte sich damals, dass vielmehr die massenweisen Importe und Haltung von Geflügel die Ursache waren.

Auch bei den jetzigen Ausbrüchen «gebe es klare Indizien, dass sie mit den Importen zu tun haben», sagte Kestenholz. Das jetzt in Europa aufgetauchte Virus H5N8 war zuvor nur aus Asien bekannt.

Keine Gefahr mehr in Deutschland

Nach Angaben der deutschen Regierung geht von dem befallenen Putenbetrieb in Mecklenburg-Vorpommern keine Gefahr mehr aus. Alle Tiere seien dort gekeult worden, sagte ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums in Berlin. Es seien keine weiteren Erkrankungen bekanntgeworden. In den Niederlanden sei die Vogelgrippe allein in einem Geflügeltrieb in Hekendorp unweit von Gouda aufgetreten, teilte das Wirtschaftsministerium in Den Haag mit. Benachbarte Agrarunternehmen seien verschont geblieben. In Hekendorp wurden sämtliche rund 150'000 Legehennen getötet.

Nach dem Ausbruch der Krankheit hatten die Behörden für die gesamten Niederlande bis Mittwoch ein Verbot aller Transporte von Geflügel und Eiern sowie Dung und gebrauchtem Streu aus der Geflügelhaltung verhängt.

Bund prüft Massnahmen

Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) prüft zurzeit, ob in der Schweiz weitere Massnahmen zum Schutz der Geflügelbestände notwendig sind. Aus dem betroffenen Gebiet in Deutschland seien seit dem 1. August 2014 keine Lebendtiere in die Schweiz importiert worden, schreibt das BLV auf Anfrage.

Zurzeit würden die Importstatistiken aus den Niederlanden und Grossbritannien überprüft. Vergangene Woche hatte das BLV bereits angekündigt, die Einfuhr von Geflügelfleisch aus Norddeutschland einzuschränken. Diese Regelung könne bei Bedarf auch auf die Niederlande und Grossbritannien ausgedehnt werden, schreibt das BLV.

Ein Todesopfer in Ägypten

Die Erregervariante H5N1 hat derweil im Süden Ägyptens ein Todesopfer gefordert. Eine 22-jährige Frau starb am Sonntag an der Vogelgrippe, acht Tage, nachdem der Erreger bei ihr diagnostiziert worden war. Es handelte sich um den zweiten Todesfall wegen des Virus H5N1 in diesem Jahr, wie die Gesundheitsbehörden der Stadt Assiut am Montag mitteilten.

Dem Virenstrang H5N1 sind seit seinem Auftreten vor elf Jahren 400 Menschen zum Opfer gefallen, die meisten in Südostasien.

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