13.06.2016 15:17
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sda
Fütterung
Schweinezucht ohne Soja-Importe möglich
Es gibt Schweine, für deren Mast weniger Protein nötig ist als bei anderen. Würden Bauern mehr auf diese Schweinesorte setzen, bräuchte es weniger Soja-Importe, berichten Wissenschaftler des landwirtschaftlichen Forschungsinstituts Agroscope.

In der Schweiz liefern die Schweine immer mehr Fleisch pro Tier. Jedes Tier fresse aber immer Proteine, um diese Produktionsleistung zu erbringen, schreibt Agroscope. Der Bedarf werde aber hauptsächlich über Soja aus dem Ausland gedeckt, heisst es weiter.

Trotz Unterversorgung normales Wachstum

Die Futtermittelimporte stehen aber in der Kritik, vor allem solche aus Südamerika. Ins Feld geführt werden die langen Transportwege und die Rodung von Regenwald. Der Grossteil der rund 75'000 Tonnen Soja, die jährlich im Futtertrog für die Schweizer Schweinezucht landen, wird im Ausland produziert.

Im Rahmen einer Studie zur Effizienz von Stickstoff loteten Forschende von Agroscope aus, wie sich bei Schweinen eine Unterversorgung an Proteinen auf die Stickstoff-Effizienz auswirkt. Als Nebenresultat dieser Studie zeigte sich, dass es in der Schweinepopulation des Versuchs rund dreissig Prozent Tiere gibt, die mit dieser Proteinunterversorgung trotzdem ein ganz normales Wachstum aufweisen.

Ganz ohne Soja?

Durch Zucht auf die Stickstoff-Effizienz kann gemäss den Forschern eine beachtliche Menge an Sojaimporten eingespart werden. Der Agroscope-Forscher Peter Stoll zeigt sich überzeugt, dass die Schweiz so auf den Sojaimport für Mastschweine vollständig verzichten könnte. Dies würde dazu führen, dass das Futter günstiger würde und einheimische oder alternative Proteinquellen eine bessere Chance hätten. Für die Schweizer Schweineproduktion würde dies eine jährliche Einsparung von 18 Millionen Franken und Minderausscheidungen von 5300 Tonnen Stickstoff bedeuten.

Auch bezüglich Tiergesundheit haben die Forscher eine positive Bilanz gezogen. "Schweine mit Protein-Unterversorgung, die ein normales Wachstum zeigten, ging es sogar besser, da sie über die Unterversorgung eine für ihren Typ bedarfsgerechte Fütterung erhielten", betont Stoll.

Nachhaltigkeit erhöhen

Das Fazit des Forschers lautet: «Das Oberziel in der Schweinezucht müsste sein, dass die Selektion auf Tiere gemacht wird, die mit weniger Protein keine Einbussen bezüglich Gesundheit, Tageszunahmen, Fleischqualität oder Fruchtbarkeit zeigen.»  Ein Umdenken in der Zucht, den Genotyp dem Futter anzupassen, würde die Nachhaltigkeit der Schweineproduktion "langfristig wesentlich erhöhen", hebt Stoll hervor.

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