10.12.2015 14:05
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
Schweinemarkt: Preiskrise existenzbedrohend
Verschiedene Organisationen der Schweinehalter in Deutschland haben in der vergangenen Woche auf die existenzbedrohenden Niedrigpreise für Schlachtschweine und Ferkel hingewiesen und dafür in erster Linie den Lebensmittelhandel verantwortlich gemacht.

Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) kritisierte, dass der Kampf um die niedrigsten Einkaufspreise bei den Handelsketten die Schweinehalter bei gleichzeitig steigenden Kosten in den Ruin treibe. Nach ihren Berechnungen sei die Differenz zwischen Produzenten- und Verbraucherpreisen in den vergangenen fünf Jahren um mehr als 70 Cent (76 Rp.) pro Kilo Schweinefleisch gewachsen.

Viele Betriebe stellen Produktion ein

Laut ISN-Marktexperte Matthias Quaing hat der Einzelhandel die niedrigeren Einkaufspreise mit Ausnahme von Lockvogelangeboten kaum an die Kunden weitergegeben. Bei dem derzeitigen Schlachtschweinepreis von 1,25 Euro/kg (1.35 Fr./kg) liege der Produzentenanteil am Ladenpreis nicht einmal bei 20 %. Über 80 % der Wertschöpfung erfolge in den nachgelagerten Stufen. Die ISN rief deshalb Agrarminister Christian Schmidt vergangene Woche auf, das Thema gerechte Margenverteilung in der Wertschöpfungskette zum Thema zu machen.

Für den Vorsitzenden des Arbeitskreises Sauenhalter im Landvolk Niedersachsen, Lars Prigge, ist „die geringe Wertschätzung für Lebensmittel ein Grundübel des Preisdruckes“. Daran trage auch die Preispolitik des Einzelhandels Schuld. Er appelliert an mehr Solidarität in der gesamten Kette, was auch die Mäster einschliesse. Bei Preisen von 33 Euro (35.60 Fr.) je Ferkel bleibe nicht einmal genügend Geld zur Deckung aller laufenden Kosten.

Zusätzliche Investitionen, um Forderungen nach noch mehr Tierwohl zu erfüllen, seien von den Betrieben zurzeit nicht zu leisten, betonte Prigge. Im Gegenteil: Immer mehr Sauenhalter müssten aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Situation den Betriebszweig oder gar den gesamten Hof aufgeben. Die Zahl der Sauenhalter in Niedersachsen ist von fast 3'500 im Jahr 2010 auf aktuell nur noch 2'200 Betriebe um rund 40 % gesunken.

Margenverteilung muss diskutiert werden

Die ISN befürchtet ebenfalls, dass durch den enormen Preisdruck die Nachhaltigkeit der Schweineproduktion in Deutschland auf der Strecke bleibt und bäuerliche Familienbetriebe aufgeben müssen. Da sich selbst das Kartellamt immer mehr „als stumpfes Schwert“ gegenüber den marktmächtigen Lebensmittelhändlern entpuppe, müsse eine Diskussion über die Verteilung der Wertschöpfung in der Kette Fleisch auch auf politischer Ebene geführt werden.

Es bedürfe neuer Strategien, um die Preis- und Vertrauenskrise in Deutschland zu überwinden, erklärte die ISN. Der von Schmidt einberufene Lebensmittelgipfel könne zwar ein guter Anfang sein; doch sei wohl ein intensiverer und längerer Diskussions- und Dialogprozess über alle Stufen nötig. Hier sei die Moderation seitens der Politik gefordert.

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