3.10.2017 16:30
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Schweine
Faire Preise für tiergerechte Mast
Schweinefleisch soll keine Billigware sein, sondern vermehrt aus BTS- und Raus-Ställen stammen. Das will der Schweizer Tierschutz. Er fordert, dass die Bauern dafür mehr vom Konsumentenfranken erhalten.

Im Fokus steht die Tatsache, dass die Schweinemastbetriebe, die Käsereien angegliedert sind, kaum je Labelbetriebe sind. Hansuli Huber, Geschäftsführer des Schweizer Tierschutz STS, sagt gegenüber "Schweizer Bauer": «Nur wenigen Konsumenten ist bewusst, dass hinter der Käseherstellung oftmals eine gewerbliche Schweinemast zur Verwertung der Nebenprodukte steht, und dass diese Ställe im Gegensatz zur bäuerlichen Schweinehaltung in der Regel den Tieren weder Einstreu noch Auslauf ins Freie anbieten.»

BTS/Raus einführen

An der Pressekonferenz wird der STS auch einen Film zeigen. Er handelt von drei konventionellen Käserei-Mastbetrieben. «Obwohl sie die Mindestvorschriften der Tierschutzverordnung  erfüllen, zeigt sich beim Tierwohl im Vergleich zur Labelhaltung ein klares Minus», nimmt Huber vorweg. Der STS appeliere an die Käsereien, den Tierschutzstandard ihrer  eigenen oder der ihnen angeschlossenen Schweinemastbetriebe auf BTS/Raus anzuheben.

Darüber hinaus will der STS Alarm schlagen. «Der Absatz von Schweine-Labelfleisch stagniert, und die Raus-Beteiligung bei Schweinen sinkt», begründet Huber die Warnung. 

Gegen die Verramschung

Für den STS sind vier Gründfür diese Entwicklung verantwortlich:

- Der geringe Informationsstand der Bevölkerung zum Tierschutz in Schweineställen
- Der Aufbau der Billiglinien im Detailhandel auf Kosten der Labelherkünfte
- Die Verramschung des Schweineflesches im Detailhandel. Fast die Hälfte des Schweinefleisches wird heute über Aktionen abgesetzt
- Die ungenügende Tierwohl-Förderung des Bundes bei BTS und Raus.

«Wir werden Massnahmen zur tierschützerischen Verbesserung der Schweinehaltung präsentieren», beteuert Huber.

Deutlich bessere Preise

«Der Anteil der Schweinemäster am Konsumentenfranken nimmt immer mehr ab, während paradoxerweise die Preise im Laden steigen. Wenn wir einen anderen Umgang mit den Tieren haben wollen, müssen Landwirte im Gegenzug für eine bäuerliche, artgemässe Tierhaltung in Zukunft mehr vom Konsumentenfranken erhalten und deutlich bessere Preise erzielen. Sonst ist trotz Tierschutzgesetzgebung und Tierwohl-Förderprogrammen der Weg hin zu Massentierhaltung nach ausländischem Vorbild vorgespurt.» Wie bei der Milch und den Eiern will der STS Wirtschaft, Politik, Behörden und Konsumenten in Zukunft verstärkt auf diesen Zusammenhang hinweisen.

Das sagt die Suisseporcs

Meinrad Pfister, Präsident der Suisseporcs und Schweinehalter in Altishofen LU, nimmt Stellung zu den STS-Forderungen: «Die an eine Käserei angegliederte Mast zur Verwertung der Schotte hat eine  lange Tradition. Die Mastställe befinden sich meist direkt neben der Käserei, oft mitten im Dorf. Dadurch sind höhere Platzangebote pro Tier oder gar Auslauf praktisch unmöglich. Zwei Drittel der Schweine werden heute bereits nach BTS- und mehr als 50 Prozent nach Raus-Standard gehalten. Leider sind viele Konsumenten nicht bereit, das etwas teurere Fleisch zu kaufen. Müssten die Forderungen des STS umgesetzt werden, würde die Schweineproduktion in der Schweiz massiv sinken, und der Rest des Bedarfs würde aus dem Ausland und aus ganz anderer Haltung importiert. Per 1. September 2018 wird zudem das minimale Platzangebot für für Mastschweine um 30 Prozent  angehoben. Zudem darf nicht mehr die ganze Stallfläche perforiert sein.» sum


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