18.04.2015 06:17
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Schwarzwild
Bund pfadet für Wildschweine
Autobahnen behinderten bisher die Ausbreitung der Wildschweine. Mit neuen Wildtierkorridoren macht der Bund ihnen nun den Weg frei. Damit steigt die Tierseuchengefahr. Die Schweinehalter müssen teure Zäune erstellen.

Die Wildschweine breiten sich immer weiter Richtung Zentralschweiz aus. Der Bund macht ihnen den Weg frei. In den letzten Jahren wurden zahlreiche neue Wildtierkorridore über die Autobahn gebaut, weitere sind in den nächsten Jahren geplant. Bisher hielten Nationalstrassen und Bahnlinien das  Schwarzwild aus den schweinestarken Gebieten der Schweiz fern.

Gefahr von Lungenentzündung

Meinrad Pfister, Präsident der Schweineproduzentenorganisation Suisseporcs, bewirtschaftet einen Betrieb in Altishofen LU. Er ist von der Problematik direkt betroffen: «Bisher hatten wir keine Wildschweine. Diesen Winter haben sich zwei bis drei Rotten angesiedelt. Das ist besorgniserregend.»  Der Grund: Wildschweine könnten nicht nur die hoch gefährliche  Schweinepest in die Schweiz einschleppen, sondern auch Seuchen wie PRRS oder Lungenentzündung (EP) auf Schweine übertragen. Tatsächlich wurden dieselben EP-Erreger bei Hausschweinen wie auch bei erlegten Wildschweinen  gefunden – obschon die Tierhalter alle Hygienemassnahmen eingehalten hatten.

Dass EP zwischen Haus- und Wildschweinen übertragen werden kann, bestätigt Stefan Kunfermann vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV): «Eine signifikante Ausbreitung gab es bislang nicht, doch bei einzelnen EP-Infektionen können Wildschweine die Ursache sein.» Die Wildtierpopulation könne man kaum beeinflussen. «Die Tierhalter sollten sich der Risiken bewusst sein und die betrieblichen Biosicherheitsmassnahmen allenfalls anpassen.»

Zaun ist teuer

Der Schweinegesundheitsdienst rät den Bauern, ihre Ställe so zu sichern, dass Lufteinlässe und Ausläufe für Wildschweine nicht zugänglich sind. Er empfiehlt einen mindestens 1,50m hohen Zaun, der 30cm in den Boden reicht und über 3m vom Auslauf entfernt ist – mit dem Verweis darauf, «dass Zäune keinen absolut sicheren Schutz bieten». Laut Stefan Spahni vom Zaunteam Spahni AG in Laupen BE kostet ein solcher Zaun 10 bis 20  Franken pro Meter. Kosten, die immer mehr Bauern berappen müssen. 

Pfister findet Zäune als Notmassnahme denn auch gut, stellt aber klar: «Mit den Wildtierkorridoren wird die Seuchenbekämpfungsstrategie des Bundes infrage gestellt.» Die Suisseporcs wolle von den Veterinärämtern wissen, wie sie den Schutz vor Tierseuchen unter diesen Umständen  gewährleisten wollen. «Gleichzeitig müssen in der Raus-Verordnung höhere Auslaufmauern bewilligt werden. Der Seuchenschutz ist stärker zu gewichten als die Fernsicht der Sauen.»

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