6.01.2019 09:36
Quelle: schweizerbauer.ch - khe
Pferdegesundheit
Würmer bilden rasch Resistenzen
Als Folge langjähriger Routineentwurmungen haben Endoparasiten der Pferde wachsende Resistenzen entwickelt. Nun soll selektive Entwurmung sicherstellen, dass bestehende Mittel lange wirksam bleiben.

ferde sind beliebte Wirte innerer Parasiten, die sich in der Art der Fortpflanzung sowie der befallenen Organe teils stark unterscheiden und schwer zu bekämpfen sind. In der Schweiz besteht seit 1966 das Prinzip der Routineentwurmung. Dabei werden dem Pferd bis zu sechs Wurmkuren pro Jahr  verabreicht. 

Veraltete Strategie

Eine Behandlungsstrategie, die sich lange Zeit bewährt habe, so Veronika Maurer, Spezialistin für Endoparasitenkontrolle bei Nutztieren. Doch sei beim Wurmbefall von Equiden  zu beachten, dass die meisten Tiere bis zum vierten Lebensjahr eine natürliche Immunität gegen Parasiten entwickelten. Sie würden deshalb nur einen sehr geringen Befall aufweisen.

Nur etwa 20% der Tiere werden von Kleinen Strongyliden, den wichtigsten Darmparasiten der Pferde, stärker befallen. Zudem sind nur rund ein Drittel der Rösser ganzjährig auf der Weide und damit Kontaminationen ausgesetzt. Bei der Entwurmung «nach Plan» würden demnach zu viele Anthelminthika unnötig eingesetzt und nicht dem tierindividuellen Bedarf angepasst. Kleine Strongyliden und Spulwürmer bildeten rasch Resistenzen. Bereits heute bestehen gegen alle der vier chemischen Wirkstoffklassen zur Parasitenbekämpfung bei Pferden Resistenzen. Neue Klassen sind nicht in Sicht. 

Weide in Ordnung halten

Als Alternative zur chemischen Entwurmung empfiehlt sich eine gute Weidehygiene. Wöchentliches Absammeln des Kotes senke die Infektionen bis zu 90%. Wirksam ist auch die abwechselnde oder gemischte Beweidung mit Rindern oder Schafen. Beide weisen zum Pferd unterschiedliche Parasitenarten auf. Die Alternativmassnahmen vermögen eine Entwurmung nicht in jedem Fall zu ersetzen. Stark befallene Tieren sollen entwurmt werden, damit sie nicht weiter schwächen, erklärt Veronika Maurer.

Kotproben untersuchen

Zur Identifikation stark befallener Tiere werden tierindividuelle Kotproben im Labor untersucht. Die Untersuchung liefert zuverlässige Informationen für eine gezielte Behandlung des einzelnen Pferdes mit einem bestimmten Entwurmungsmittel. 

Wirksamkeit prüfen

Im ersten Analysejahr sind vier Probenahmen nötig. Im Fokus stehen dabei die Kleinen Strongyliden. Ab dem zweiten Jahr kann die Anzahl der Untersuchungen reduziert werden. Zusätzlich wird einmal jährlich in einer Larvenkultur das Spektrum der Parasiten bestimmt. Auf jede Behandlung folgt nach zehn bis fünfzehn Tagen eine Wirksamkeitskontrolle. Als Ergänzung zur Prüfung auf Strongyliden und Spulwürmer empfiehlt das FiBL eine jährliche Kontrolle auf Bandwürmer.

Betriebsanalyse nötig

Aus ihren Erfahrungen als Veterinärin kennt Ophélie Christen die Vor- und Nachteile einer selektiven Entwurmung. Sie befürwortet eine enge Zusammenarbeit mit dem Bestandestierarzt. Um das Risiko eines Wurmbefalls abschätzen zu können, sei eine Betriebsanalyse unumgänglich.

Fohlenbetriebe gefährdet

Reine Fohlenbetriebe mit hoher Besatzdichte und geringer Weidehygiene seien besonders gefährdet. Da bei Jungtieren die Immunität noch nicht ausgebildet ist, sind die Fohlen oft von inneren Parasiten betroffen. Eine selektive Entwurmung erscheint anfänglich zwar kostspielig, langfristig aber können durch vorgängige Kotuntersuchungen unnötige Behandlungen verhindert und kann somit Geld gespart werden, so Ophélie Christen. 

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