16.12.2017 16:34
Quelle: schweizerbauer.ch - ats/rat
Pferde
Verhätscheln wir unsere Pferde zu sehr?
Pferde würden immer häufiger Opfer falsch verstandener Tierliebe, warnte die Pferdeschutzorganisation World Horse Welfare.

Für viele Tiere bringe die übertriebene Fürsorge ihrer Besitzer viel Leid mit sich, heisst es in einem Artikel der Reiterrevue- Österreichisches Pferdemagazins. Dank unzähliger Studien und Forschungsarbeiten wisse man heute mehr denn je über das Pferd, sein Verhalten und seine Bedürfnisse. Dennoch würden viele Erkenntnisse konsequent ignoriert. Sehr zum Leid der Pferde, kritisierte Roly Owers, Generaldirektor von World Horse Welfare (siehe Kasten).

Kein Hinterfragen 

«Wir haben in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte in den Bereichen Pferdegesundheit und Wohlergehen gemacht, dennoch versäumen es zu viele von uns, ihre Hausaufgaben zu machen und den Status quo infrage zu stellen – was zu tief greifendem, oft unsichtbarem Leid führt», so Owers. Ein besonders grosses Problem sei dabei die konsequente Überfütterung. «Seit mehr als einem Jahrzehnt schrillen die Alarmglocken, weil unsere Pferde und Ponys stetig dicker werden und Wohlstandskrankheiten wie das Equine Metabolische Syndrom immer weiter auf dem Vormarsch sind.

Trotzdem überfüttern Besitzer ihre Pferde weiter, bewegen sie zu wenig und verhätscheln sie, als wären sie Schosshündchen», führte Owers weiter aus. Heute seien mehr Pferde denn je stark übergewichtig. Die meisten Pferde litten nicht an Mangel, sondern an Übergewicht. «Wir decken Shetland Ponys im Winter ein, Vollblüter im Sommer, völlig unabhängig vom Wetter, und fügen ihnen damit ungewollt Schaden zu, was nur allzu häufig zum Tod führt, weil wir auf diese Weise Krankheiten wie Hufrehe begünstigen. Wir müssen uns gemeinsam fragen, warum wir diesen Weg immer noch wie Schlafwandler beschreiten.» Angesichts der heutigen Informationsflut sei es für Pferdebesitzer oft nicht ganz einfach, den Durchblick zu behalten.

Verunsicherung ist gross

«Laufend gibt es neue wissenschaftliche Erkenntnisse, mit denen man on- und offline konfrontiert wird. Entsprechend gross ist die Verunsicherung der Pferdebesitzer, die sich wie in einem sprichwörtlichen Minenfeld fühlen und nicht wissen, in welche Richtung sie sich wenden sollten.» Gerade deshalb sei es heute wichtiger denn je, sich bei Fragen an Fachleute zu wenden, etwa den Tierarzt, den Hufschmied, den Futterberater oder Institutionen, heisst es weiter. 

Zur Organisation

World Horse Welfare ist  eine weltweit operierende Pferdeschutzorganisation. Die Organisation wurde 1950 gegründet, um das Wohl der Pferde in Europa, vor allem in Frankreich, Spanien, Italien, Griechenland und Deutschland zu verbessern. Heute ist World Horse Welfare auf der ganzen Welt tätig und setzt sich dabei für die artgerechte Haltung, Fütterung  und Nutzung der Pferde ein. 

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