27.10.2017 15:10
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Forschung
Zusatz macht Kuh umweltfreundlicher
Kühe und Rinder gelten aufgrund ihrer Methanausscheidungen als «Klimakiller». Das Schweizer Pharmaunternehmen Zaluvida hat einen Futterzusatz entwickelt. Dieser soll den Ausstoss des Treibhausgases um 30 Prozent reduzieren. Versuche belegen den Erfolg.

Die Kuh hat bezüglich Klimaschutz einen zweifelhaften Ruf. Sie gelten als Klimakiller, denn die Tiere scheiden grosse Mengen Methan aus, die sie in den Mägen produzieren. Ein Hausrind stösst gemäss einem Bericht des Fachjournals «Biogeosciences» täglich etwa 150 bis 250 Liter Methan aus. Derzeit werden weltweit etwa 1,5 Milliarden der Tiere gehalten.

Fermentation verändern

Deshalb gibt es politische Bestrebungen, den Fleischkonsum einzuschränken und damit verbunden den Viehbestand zu verkleinern. Einige Organisationen fordern beispielsweise eine höhere Besteuerung von Fleisch. Auch auf politischer Ebene gibt es Anforderungen an die Bauern. Gemäss dem Klimaschutzplan der deutschen Regierung müssen die Bauern die CO2-Emissionen bis 2030 um einen Drittel senken.

Ein Schweizer Biotechnologieunternehmen will nun den Bauern helfen. Zaluvida hat einen Futterzusatz entwickelt, der die Fermentation im Pansen der Wiederkäuer verändern und die Methanausscheidungen um 30 Prozent vermindern soll. Damit soll das negative Bild der Kuh als Treibhausgas-Emittent aufgebessert werden.

58 Franken pro Tier und Jahr

Der Futtermittelzusatz Mootral wird nach Angaben von Zaluvida aus Knoblauchpulver und Zitrusextrakten hergestellt. Eine gesonderte Zulassung sei nicht erforderlich, sagt Geschäftsführer, Christoph Staeuble gegenüber Elite Magazin Online. Risiken und Nebenwirkungen habe das Naturprodukt auch nicht. «Die Kühe fressen den Zusatz ohne Probleme», so Staueble. Der Knoblauch lasse sich aus der Milch und dem Fleisch nicht herausschmecken.

Zudem soll der Zusatz auch die Verdauungsleistung steigern, da die Bakterien im Magen des Wiederkäuers weniger Nährstoffe «wegmampfen». Das hat den positiven Effekt, dass Rinder schneller an Fleisch ansetzen. Das Pharmaunternehmen hat rund 10 Jahre an der Entwicklung gearbeitet. Der Zusatz schlägt mit rund 50 Euro (58 Fr.) pro Kuh und Jahr zu Buche

Wissenschaftlich begleitet wurde Mootral von der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Versuche unter Laborbedingungen hätten eine deutliche Reduktion der Methanausscheidungen belegt, erklärt der Tierphysiologe Prof. Gerhard Breves gegenüber «Elite Magazin Online». Er sei überrascht über die Wirkung. Es seien aber weitere Untersuchungen notwendig, um die genaue Wirkungsweise aufzuklären.

25 Mal so wirksam wie CO2

Methan ist als Treibhausgas in der Atmosphäre 25 Mal so wirksam wie Kohlendioxid und macht daher einen substanziellen Teil des menschengemachten Treibhauseffekts aus. Methan stammt sowohl aus natürlichen (Sümpfen, Termiten, Wäldern) als auch anthropogenen Quellen ( Reisfeldern, Mülldeponien oder Erdgasgewinnung und -transport). Das Gas entsteht in der Regel bei Fäulnisprozessen unter anaeroben Bedingungen (d.h. unter Luftabschluss) mit Beteiligung von Mikroorganismen. Nach Kohlendioxid ist Methan das zweitwichtigste anthropogene Treibhausgas. 50 bis 65 % der globalen Methan-Emissionen der 2000er Jahre stammen aus anthropogenen Quellen. Die Bereiche Energie, Verkehr gelten an grösste Verursacher, die Viehzucht folgt an dritter Stelle.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE