4.12.2018 06:01
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Kälberhaltung
Wasser lässt Kälber besser wachsen
Ab dem ersten Lebenstag muss Kälbern Wasser angeboten werden – das gilt auch im Winter. Eine regelmässige Wasserversorgung ist wesentlich für die Entwicklung des Pansens. Kälber, die Wasser saufen, fressen mehr.

Bei den aktuell tiefen Temperaturen muss man  beim Tränken der Kälber besonders aufpassen.  Gern vergessen geht, dass  die Wasseraufnahme der Kälber   während der Wintermonate gewährleistet sein muss. Erstens verlangt das die Tierschutzgesetzgebung. Sie besagt, dass Kälber  jederzeit Wasser trinken können, alle anderen Rinder mindestens zweimal täglich. 

Für die Pansenflora

Und zweitens spielt  Wasser  bei der Entwicklung des Pansens eine wichtige Rolle. Es stimuliert die Aufnahme von Festfutter  wie Kälberstarter oder Heu  und ist für die Entwicklung der Pansenflora unabdingbar. Die Entwicklung des Pansens wird so gefördert und die Kälber zeigen bessere Zunahmen.

Nur wenn ausreichend  Wasser in den Pansen gelangt, können sich die   Pansenbakterien auch weiter vermehren.  Laut dem Kälberexperten Sam Leadly aus New York (USA) liegen die Zunahmen von Kälbern mit freiem Zugang zu Wasser während der Tränkephase um bis zu 33  Prozent  höher   als bei Kälbern, denen während dieser Phase kein Wasser angeboten wird (was in der Schweiz verboten ist). 

In einer Untersuchung  aus  Deutschland  nahmen die Kälber neben der praxisüblichen Milchtränke von 6 Litern bis zum Ende des ersten Lebensmonats im Mittel täglich bereits rund 2 Liter Wasser zusätzlich auf. Bei Einzeltieren lag die Wasseraufnahme auch deutlich höher.

Keine Nuckeltränken

Wichtig ist in jedem Fall eine Aufnahme von oben aus Eimer- oder Selbsttränken, damit das Wasser auch in den Pansen gelangt. Wassergaben über Nuckeltränken sind nicht geeignet, da es dann zu einem grossen Teil durch den Schlundrinnenreflex in den Labmagen gelangt.

Im Winter sollte   zu den Fütterungszeiten jeweils   Wasser angeboten werden, das im Bereich der Körpertemperatur der Kälber liegt, also bei etwa 39°C. Bei kalten Temperaturen brauchen Kälber sowieso schon viel Energie für die Erhaltung der   Körpertemperatur. Trinken sie dann kaltes Wasser, benötigen sie zusätzliche Energie, um dieses aufzuwärmen.   Damit das  Wasser  warm bleibt, kann es immer im selben Zeitrahmen angeboten werden. Die  Kälber gewöhnen sich   schnell an  regelmässiges Trinken.   

Tipp: Bei Frost darauf achten, das alte Wasser nicht auf Arbeitswegen zu entleeren, wo es gefrieren könnte.

Weniger Durchfall

Kälber, die jederzeit Wasser aufnehmen können, haben  erwiesenermassen weniger Durchfall. Erkranken Kälber dennoch an Durchfall, so hilft ihnen die Wasseraufnahme, die massiven Stoffwechselentgleisungen durch Flüssigkeits- und Pufferverluste zu vermeiden und die Krankheit  so besser zu überstehen. 

38 bis 39°C warme Milch  im Maul

Ideal ist, wenn die Milchtränke bei der Zubereitung auf 40 bis 41°C erhitzt wird, damit sie im Kälbermaul eine Temperatur von 38 bis 39°C aufweist. Das ist eine  Voraussetzung, dass der Schlundrinnenreflex richtig funktioniert. Eine weitere Voraussetzung ist,   dass Aufzuchtkälber   die Milch   über einen Nuggi verabreicht erhalten, damit sie saugen können.

Dank  dem Schlundrinnenreflex  gelangt die Milch  unter Umgehung der Vormägen direkt  in den Labmagen und wird dort durch den niedrigen pH-Wert und die aktiven Enzyme verdaut. Wenn das Kalb die Milch   wie das Wasser aus dem Kessel säuft, gelangt sie   in den Pansen und führt dort zu einer Übersäuerung und zu Durchfall. 

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