6.02.2019 15:02
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sum
Tierhaltung
Umfrage: BTS für Anbindestall?
Die Interessengemeinschaft Anbindestall setzt sich dafür ein, dass künftig auch für Kühe im Anbindestall BTS-Beiträge entrichtet werden. Wie denken Sie darüber? Ist diese Forderung berechtigt? Oder lehnen Sie dieses Ansinnen kategorisch ab? Abstimmen und mitdiskutieren

Die Abnehmer von Milch erhöhen laufend die Produktionsstandards, beispielsweise Coop. Seit vergangenem August müssen Lieferanten bei der Eigenmarke Qualité&Prix das Programm für regelmässigen Auslauf im Freien (Raus) erfüllen. Zusätzlich muss er bei einem der beiden Bundesprogramme «Besonders tierfreundliche Stallhaltungssysteme» (BTS) oder «Graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion» (GMF) mitmachen.

Strengere Produktionsbedingungen

Die Mitglieder der Branchenorganisation Milch (BOM) haben sich auf einen Standard für nachhaltige Milch verständigt. Ab dem 1. Juli 2019 müssen die Bauern zwingend zehn Anforderungen erfüllen. Darunter fallen unter anderem BTS oder Raus. Sämtliche so produzierte Molkereimilch wird mit einem Zuschlag von 2 Rappen entschädigt.

Die höheren Standards machen der IG Anbindestall Sorgen. «So werden alle Milchviehhalter mit einem Anbindestall ausgeschlossen», sagte Konrad Klötzli, Präsident der IG, vergangene Woche gegenüber «Schweizer Bauer. «Wir fordern deshalb, dass der Anbindestall BTS-tauglich wird», hielt er fest. 

Strohbett, Raus und Weide

Der Berner Oberländer skizziert bereits, welche Anforderungen dazu erfüllt werden müssen. Anbindeställe sollen BTS-konform sein, wenn sie über ein Strohbett verfügen, die Raus-Anforderungen erfüllt sind und die Kühe zusätzlich einen grossen Teil der Ration auf der Weide fressen. 

Gemäss Klötzli werden rund 50 Prozent der Kühe in Anbindeställen gehalten. Die Hälfte davon erfüllen die oben genannten Anforderungen. Klötzli verlangt, dass der Bund nun wie bei BTS-konformen Laufställen 90 Franken pro Grossvieheinheit (GVE) ausrichtet.

Die Zahlen des Bundes für das Jahr 2017 gehen bei den Milchproduzenten, welche Verkehrsmilch abliefern, von einer Beteiligung bei Raus von 83% der Betriebe und 86% der Milchkühe aus. Bei BTS sind es 37% der Betriebe und 51% der Milchkühe.

BLW dagegen

Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) lehnt einen solchen Beitrag für Anbindeställe ab. «Das würde der Zielsetzung von möglichst tierfreundlicher, artgerechter Haltung widersprechen», erklärt Victor Kessler vom BLW. BTS setzt voraus, dass die Tiere ohne Fixierung in Gruppen gehalten werden und in denen den Tieren ihrem natürlichen Verhalten angepasste Ruhe-, Bewegungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

Klötzli will aber nicht aufgeben. Die IG will sich dafür einsetzen, dass Kühe im Anbindestall von den neuen Tiergesundheitsbeiträge im Rahmen der Agrarpolitik 2022+ profitieren können. Dem Vorwand des BLW, dass mit BTS-Beiträgen für Anbindeställe die Konsumenten getäuscht würden, kann Klötzli nichts abgewinnen. «Man darf nicht immer die Konsumenten fragen, man muss den Fachmann fragen», hält er fest.

Unterschiedliche Kommentare

Die Kommentare zum Thema auf schweizerbauer.ch fallen unterschiedlich aus. «Anbindeställe entsprechen auch mit Verbesserungen nicht den BTS-Richtlinien», sagt Ulrich Thomet. Er schlägt vor, das Kriterium «Weide» besser zu honorieren. «Weide ist Tierwohl pur. So würden auch Anbindehalter, die ihren Tieren mehr Tierwohl bieten, profitieren. Das wäre ebenfalls den Konsumenten gut vermittelbar», schreibt Thomet.

«Wenn BTS für Anbindeställe kommt, verlieren wir die letzte Glaubwürdigkeit gegenüber den Konsumenten. Ich habe bis vor 4 Jahren einen solchen «BTS»-Stall gehabt. Seit ich aber einen Laufstall besitze, ist es kein Vergleich mehr. Die Tiere sind glücklich und die Ruhe im Stall ist verblüffend», kommentiert Resli.

Kommentarschreiber Christian kontert: «Ich würde den Konsumenten erklären, dass meine Kühe im Anbindestall mit Raus und Weide mehr Bewegung haben als die meisten Kühe im Herumstehstall, auch Laufstall genannt. Wenn ich die Kühe in vielen Laufställen beobachte, sehe ich sie nicht allzu oft im Auslauf und auf der Weide.»

P. Bärtschi wendet sich mit einem Appell an seine Berufskollegen: «Ob Anbinde- oder Laufstall, Hörner oder ohne Hörner - das soll doch jeder Landwirt selber entscheiden können. Viel wichtiger wäre, dass sich unsere Bauernvertreter endlich für einen gerechten, einheitlichen Milchpreis einsetzen würden! Ich glaube, Vorschriften haben wir langsam genug.»

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