4.05.2017 09:21
Quelle: schweizerbauer.ch - ber/blu
Österreich
Türken stehen auf Ösi-Rinder
Wegen diplomatischen Verstimmungen zwischen der Türkei und den Niederlanden haben türkische Viehbauern im Frühjahr holländische Kühe ausgewiesen. Deshalb fürchteten österreichische Viehzüchter damals, dass sich die Türken in Zukunft nicht mehr für ihre Tiere interessieren könnten. Die Sorge erweist sich als unbegründet.

Die Türkei ist seit zwei Jahren das Nummer 1-Exportland für österreichische Tiere. Weil der türkische Markt für die österreichischen Viehzüchter derart bedeutend ist, befürchteten diese wegen den diplomatischen Verstimmungen zwischen Österreich und der Türkei, grosse Marktanteile zu verlieren. 

Österreichische Versteigerung mit türkischen Händlern als Kunden

Einmal im Monat findet in Bergland (Bundesland Niederösterreich) die grösste Rinderversteigerung des Landes statt. 600 Zuchtrinder kamen bei der letzten Versteigerung unter den Hammer. Nun haben offenbar die türkischen Landwirte das österreichische Fleckvieh entdeckt. Händler, welche für türkische Viehbauern einkaufen, zählen momentan in Bergland zu den besten Kunden.

Die Türkei wolle die Rinderzucht forcieren. Dies deshalb, weil sie mit der niederösterreichischen Qualität, speziell mit den Fleckviehtieren, sehr zufrieden seien, sagt Leopold Buchegger, Obmann der Niederösterreichischen Rinderzüchter, gegenüber ORF Online.

Ohne türkischen Markt droht Preisverfall

Dementsprechend aufmerksam wird derzeit nicht nur die politische Lage in der Türkei, sondern auch die Beziehung zwischen der EU und der Türkei verfolgt. «Für uns Rinderzüchter ist es wichtig, dass wir die Märkte dort weiterhin bedienen können. Schlimm wäre, wenn die Tore und Grenzen über Nacht geschlossen würden» sagt Buchegger. «Ein Wegfall des türkischen Marktes würde voraussichtlich zu einem Preisverfall führen.»

Durchschnittlich 2480 Franken pro Rind

Auch die Polen interessieren sich für die Zucht der Österreicher. An der Zuchtrinderversteigerung werden im Schnitt mehr als 2300 Euro (ca. 2480 Schweizer Franken) pro Tier geboten. «Dies ist ein guter Preis. Wir haben die Garantie, dass wir hier eine wertvolle Genetik kaufen» meint ein polnischer Viehhändler.

Die Niederösterreicher hätten gute Kontakte zu türkischen Ministerien. Es gehe alles sehr freundlich zu, sagt Viehhändlerin Gamze Ayangac von Schalk Nutztiere. «Wir wollen Geschäfte machen und brauchen die türkischen Kunden und diese brauchen unsere Tiere», so Ayangac.

30'000 Tiere in Export

Die Türkei ist für österreichische Züchter ein wichtiger Markt. 43 Prozent der Viehexporte oder knapp 13'000 Rinder gehen in die Türkei, schrieb die Zeitung «Die Presse» Mitte März. Im vergangenen Jahr wurden aus Österreich rund 30'000 Tiere ausgeführt, davon 70 Prozent in Nicht-EU-Länder. 2010 wurden erstmals österreichische Tiere in die Türkei ausgeführt. In den vergangenen zwei Jahren stieg das Land dann zum Nummer 1-Exportland auf.

Vor der Volksabstimmung in der Türkei über eine Verfassungsänderung zur Einführung eines Präsidialsystems vom 16. April 2017 war die Stimmung aufgeheizt. In verschiedenen Länder Europas machten türkische Minister Wahlkampfauftritte, um für die Vorlage zu werben. Dies zum Missfallen westlicher Regierungen. Einige Länder haben solche Auftritte verboten. Das verärgerte den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. 

«Man muss damit rechnen, dass es Beschränkungen geben kann», sagte Martin Stepfellner, Geschäftsführer der Rinderzucht Austria, im März 2017. Türkische Viehbauern hatten in einer symbolischen Aktion niederländische Kühe ausgewiesen. Österreichische Züchter befürchteten, dass die Türken ihre Zuchtrinder abschieben könnten. Deshalb wollen sie neue Absatzmärkte aufgebaut werden. Diese Sorge einer "Ausweisung" von österreichischen Rinder ist aber derzeit unbegründet.

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