1.05.2016 13:24
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Viehzucht
Tierärzte wollen Hochleistungszucht Grenzen setzen
Nach Ansicht der deutschen Bundestierärztekammer (BTK) muss die Nutztierzucht wieder stärker auf ein Gleichgewicht zwischen Leistung und Gesundheit der Tiere ausgerichtet werden.

 Wie die Kammer am Montag vergangener Woche mitteilte, hat die Delegiertenversammlung Mitte April eine entsprechende Resolution verabschiedet, in der vom Bundeslandwirtschaftsministerium klare rechtliche Regelungen für die Zucht von Nutztieren gefordert werden. Die bisherige Berücksichtigung der Tiergesundheit bei der Zucht auf Leistungsfähigkeit, wie im Tierzuchtgesetz verankert, reiche nicht aus, um auftretende Tierschutzprobleme zu beseitigen, erklärten die Delegierten. „Für die Tierärzteschaft besteht bei geltender Rechtslage derzeit keine Möglichkeit, auf das Ungleichgewicht zwischen leistungsorientierten Zuchtzielen und damit in der Folge auftretenden Gesundheit- und Tierschutzproblemen Einfluss zu nehmen“, heißt es in der Resolution.

Per Rechtsverordnung müssten deshalb erblich bedingte Krankheitsrisiken in der Nutztierzucht näher bestimmt und dann die Zucht mit bestimmten Rassen oder Linien beschränkt oder verboten werden, wenn dies zu Verstößen gegen das Tierschutzgesetz führe. Zudem sollten dem BTK zufolge auch die vom Landwirt verpflichtend erhobenen und bewerteten tierbezogenen Tierschutzindikatoren kontrolliert und bei der Auswahl von Elterntieren für die leistungsorientierte Zucht berücksichtigt werden.

Laut BTK-Präsident Dr. Uwe Tiedemann sind aus Kühen, Schweinen, Hennen und Puten längst Hochleistungstiere geworden. Dabei sei ein zunehmendes Missverhältnis zwischen genetischer Leistungsfähigkeit und der Gesundheit der Tiere zu beobachten. „Leistungsabhängige Krankheiten spielen eine immer größere Rolle. Dennoch steht bei der Zuchtauswahl nach wie vor die Leistung im Vordergrund“, kritisierte der BTK-Präsident. Selbst ein hervorragendes Tier-, Stall- und Futtermanagement könne die aufgezeigten Probleme nicht immer reduzieren. „Die Korrelation zwischen genetisch programmierter Hochleistung und Krankheitsanfälligkeit führt immer öfter zu Schmerzen und Leiden und kann die Lebensdauer verkürzen“, berichtete Tiedemann. Das könne auch durch eine tiermedizinische Betreuung der Tiere nur bedingt beeinflusst werden, weshalb man bei den Zuchtzielen ansetzen müsse.

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