29.12.2017 18:40
Quelle: schweizerbauer.ch - Christian Zufferey
Krankheit
Tessin will Mastitis ausrotten
Schon im kommenden Alpsommer sollen nur noch Kühe mit gesunden Eutern auf den Tessiner Alpen gesömmert werden. Dazu startet der Kanton Tessin als erster Kanton ein flächendeckendes Sanierungsprogramm.

Jede fünfte Kuh erleidet während der Laktation eine akute Euterentzündung, jede vierte Kuh leidet an mindestens einem Viertel an einer chronischen Mastitis und jede siebte Kuh muss aufgrund einer unheilbaren Mastitis getötet werden. Schätzungen zufolge liegt der wirtschaftliche Schaden durch Staphylococcus aureus um 140 bis 250 Millionen Franken. Im Kanton Tessin soll damit nun Schluss sein. Er ist der erste Kanton,  der ein flächendeckendes Sanierungsprogramm startet. Der besonders leicht übertragbare Genotyp B, der auch immer wieder ganze Bestände trifft, soll ausgerottet werden. 

Suche nach dem Erreger

Konkret werden Milchproben auf Erreger untersucht. Wenn bei zwei Proben  keine Erreger gefunden werden, gilt die Kuh als gesund und wird in die Melkgruppe N für negativ eingeteilt. Fortan müssen diese Kühe zuerst gemolken werden.

Der Tessiner Kantonstierarzt Tullio Vanzetti rechnet aber damit, dass bis zu 30 oder 40 Prozent eines Bestands positiv sein könnten und in die Melkgruppe P für positiv eingeteilt und zuletzt gemolken werden. «Für jedes ‹positive›  Tier erhält der Landwirt zudem ein Datenblatt als Grundlage für das weitere Vorgehen», erklärt Vanzetti. Meist wird in Zusammenarbeit mit dem Bestandestierarzt ein Antibiotikum zur Behandlung vorgeschlagen. 

Allerdings werden Kühe nur einmal behandelt. Falls eine Kuh auf die Therapie nicht anspricht wird sie, ebenso wie Kühe, bei denen eine Behandlung aufgrund schlechter Voraussetzungen keinen Sinn macht, geschlachtet. Für solche Tiere erhalten Bauern eine Entschädigung, jeweils in Abhängigkeit ihres Alters oder des Stadiums der Sanierung. «Im ersten Sanierungsjahr wird es etwas mehr geben als im zweiten oder dritten Jahr», so Vanzetti. Dazwischen gibt es allerdings auch noch eine Gruppe X. Das sind etwa Tiere, die noch nicht geprüft sind oder nach einer Behandlung noch nicht kontrolliert sind. Untersucht werden kann die Milch frühestens 15 Tage nach dem Abkalben. 

Deutschschweiz betroffen

Mit der Probenentnahme wurde im Rahmen der ordentlichen Milchkontrollen in 147 Milchvieh-Betrieben bereits im Dezember begonnen. Im Januar und Februar erfolgen die Nachkontrollen. Im Hinblick auf die bevorstehende Sömmerung werden im Mai noch einmal alle Kühe kontrolliert. «Wir wollen sicherstellen, dass nur negative Kühe gesömmert werden», betont Vanzetti, was aber schon im nächsten Sommer Konsequenzen haben wird.

Auch für Bauern aus der Zentralschweiz oder aus der Ostschweiz, die ihr Vieh auf Tessiner Alpen bringen. Vanzetti: «Das Projekt beinhaltet auch die Untersuchung von Kühen, die auf Tessiner Alpen gesömmert werden. Wie genau das jedoch organisiert wird, wird in Zusammenarbeit mit anderen Kantonstierärzten noch erarbeitet.» Nach vielversprechenden Versuchen in Einzelbetrieben ist Vanzetti zuversichtlich, dass eine erfolgreiche Sanierung auch flächendeckend möglich ist – langfristig nicht nur im Tessin. Allein im Tessin sind für die auf drei Jahre angesetzte Sanierung und für ein darauffolgendes Monitoring über acht Jahre 2,8 Millionen Franken budgetiert. 

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