19.12.2017 14:51
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE/blu
Neuseeland
NZ: Bereits 3'500 Rinder gekeult
In Neuseeland sind in der vergangenen Woche erstmals auch auf der Nordinsel mit dem bakteriellen Erreger Mycoplasma bovis infizierte Rinder entdeckt worden. Mykoplasmen können bei Kühen zu behandlungsresistenten Mastitiden, Fruchtbarkeitsstörungen und Aborten führen oder generell bei Rindern Lungenerkrankungen und Gelenksentzündungen auslösen.

Erstmals wurde die Krankheit in Neuseeland am 21. Juli bei einem Milchviehbetrieb auf der Südinsel entdeckt. Der erste Nachweis von Mycoplasma bovis in der Geschichte Neuseelands erfolgte bei 14 Milchkühen auf einem Milchviehbetrieb in South Canterbury auf der Südinsel, schreibt wir-sind-tierarzt.de. Die Farm mit den infizierten Kühen gehört zur Van Leeuwen-Gruppe. Diese betreibt auf der Südinsel 16 Milchviehbetriebe mit insgesamt 12'550 Kühen.

Quelle der Infektion unbekannt

Aufgrund des Ausbruchs gab es gar Kursrückschläge an den Börsen, da die Auswirkungen der Infektion für die neuseeländische Milchwirtschaft nicht genau eingeschätzt werden konnte. Die Milchwirtschaft gehört zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen des Landes, 90 Prozent wird exportiert. Mit den neuen Fällen aus dem Norden sind bereits zwölf Haltungen betroffen und etwa 3'500 Tiere gekeult worden. Landwirtschaftsminister Damien O‘Connor bezeichnete den Vormarsch der Krankheit auf die Nordinsel „als grosse Enttäuschung und schweren Rückschlag“.

Beunruhigend sei, dass die Quelle der Infektionen noch nicht habe identifiziert werden können. Es müssten deshalb neue Wege gegangen werden, um eine weitere Verbreitung zu vermeiden. Dazu zählt für den Minister offenbar auch ein Transportverbot für Rinder über die Cookstrasse, also die Meerenge zwischen der Nord- und Südinsel Neuseelands. „Ein solches Verbringungsverbot kann auf kurze Sicht eine notwendige Vorsichtsmassnahme sein“, erklärte O‘Connor.

Mehr Transparenz

Über diesen Seeweg passieren nach seinen Angaben jährlich rund 14'000 Rinder die Inselgrenzen. Der Minister wies gegenüber der Presse darauf hin, dass die betroffenen Landwirte möglicherweise auch nicht mehr anonym bleiben könnten. Der bisherige Rat von Experten sei gewesen, aus Datenschutzgründen die Farmer nicht zu benennen. Mehr Öffentlichkeit schaffe jedoch mehr Transparenz über die Bestandsbewegungen und könne den „Tracking- und Tracing-Prozess“ unterstützen.

In Neuseeland gibt es zwar ein nationales Tieridentifizierungs- und -verfolgungs-System, doch anscheinend pflegen nicht alle Landwirte die Daten sorgsam ein. O‘Connor rief deshalb am vergangenen Freitag Branchenvertreter zusammen, um die Notwendigkeit der „absoluten Einhaltung“ der Anforderungen im Rückverfolgungssystem deutlich zu machen.

Mykoplasmen sind sehr kleine Bakterien ohne Zellwand, die ihre Gestalt verändern können. Sie leben aerob bis fakultativ anaerob intra- und extrazellulär. Mycoplasma bovis wurde bereits im Jahr 1898 aus kranken Kühe isoliert und beschrieben. Mykoplasmen können bei Kühen zu behandlungsresistenten Mastitiden führen, außerdem können sie schwere Pneumonien, Aborte, Gelenkschwellungen und Arthritiden bei Kühen verursachen, sowie Ohrinfektionen bei Kälbern. Einmal infizierte Kühe tragen die Bakterien lebenslang in sich. wir-sind-tierarzt.de

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