22.12.2017 11:39
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Luzern
Milch von Grossbauer geht in Futtermittelindustrie
Am Dienstag hat der Veterinärdienst des Kantons Luzern 31 Rinder eines Grossbauern wegen leicht- bis hochgradigen Gesundheitsmängeln beschlagnahmt. Die Milch von den Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) abgeholte Milch wird nun in die Futtermittelindustrie geliefert.

Der Fall des Landwirts B. aus dem Luzerner Hinterland erschütterte die Schweiz. Der Landwirt hat auf 6 Höfen rund 450 Rinder eingestallt. 31 Tiere wurden von den Behörden am Dienstag beschlagnahmt und abgeführt. Beteiligt an der Aktion waren sechs Mitarbeiter des kantonalen Veterinärdienstes, zwei Bauern sowie Mitarbeiter der Luzerner Polizei. Die Kontrollen dauerten den ganzen Tag.

ZMP über Medien informiert

Sie wurden nun in einem Händlerstall einquartiert und werden tierärztlich versorgt. «Wir trafen vor Ort viele lahme Tiere an. Ein Teil von ihnen wies klare Anzeichen von Schmerzen auf. Die fachgerechte tierärztliche Versorgung war nicht sichergestellt», sagte Kantonstierarzt Otto Ineichen gegenüber der «Luzerner Zeitung». Gemäss dem Veterinär hat der Landwirt unter anderem die Klauenpflege vernachlässigt.

Überrascht von der Beschlagnahmung der Rinder waren auch die Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP). Denn die Milch des Grossbauern wird teilweise vom ZMP abgenommen. «Aus den Medien haben wir am Dienstagabend erfahren, um welchen Hof respektive Tierbesitzer es geht. Dieser ist Milchlieferant von uns», sagt Mediensprecherin Carol Aschwanden gegenüber schweizerbauer.ch. Da der Gattungsbegriff Rinder Kühe, Kälber und Stiere umfasse, habe man gewusst, dass auch Kühe betroffen seien.

Milch hygienisch einwandfrei

Die ZMP haben umgehend Massnahmen eingeleitet. So wurde ein temporärer Milchlieferstopp verfügt. Ein ZMP-Melkberater kontrollierte am Mittwoch vor Ort die Verhältnisse. Dieser stellte fest, dass die noch anwesenden Rinder wohlauf sind und die Tierschutzvorschriften eingehalten sind. «Test von der Milch durch ein unabhängiges Labor haben ergeben, dass sowohl Gefrierpunkt, Keim- und Zellzahlen keinen Anlass zu Beanstandung geben», so Aschwanden. Die ZMP holt die Milch wieder ab. Die Tiere müssen gemolken werden, dafür braucht es leere Tanks, so Aschwanden.

Aber wegen der Tierwohlverstössen wird die Milch nicht mehr in Verkaufskanal überführt. «Da die Milch hygienisch einwandfrei ist, wird diese zu Pulver verarbeitet und so haltbar gemacht», so Aschwanden. Emmi will die Milch von Urs B. nicht mehr verarbeiten. «Die Einhaltung des Tierschutzgesetzes und des Tierwohl sind für Emmi zentral», sagt Emmi-Sprecherin Sybille Umiker gegenüber dem «Blick».

ZMP: Kanton soll Abnehmer informieren

Am Freitagmorgen wurde nun das weitere Vorgehen beschlossen. «Die ZMP hat soeben entschieden, die Milch vorerst nicht mehr zu Emmi zu liefern, sondern in die Futtermittelindustrie zu liefern», sagt Aschwanden zu schweizerbauer.ch. Zuerst war angedacht, die Milch in Form von Pulver zu humanitären Zwecken zu spenden. Diese Pläne wurden nun verworfen. Die ZMP wollen aber zusammen mit dem Veterinäramt und den Tierhalter eine langfristige Lösung zum Wohl der Gesundheit der Tiere erarbeiten.

«Es ist uns bereits länger ein Anliegen, dass wir bei Tierwohlverstössen, welche das Veterinäramt feststellt, zumindest eine Information erhalten, wenn es sich um einen Betrieb handelt, bei dem wir Milch abholen», hält die ZMP-Sprecherin gegenüber schweizerbauer.ch fest. Gespräche seien im Gange. Doch das Datenschutzgesetz macht eine Lösung nicht einfach. «Grundsätzlich sollte hier in der ganzen Schweiz eine Lösung angestrebt werden», macht Aschwanden deutlich.

Zukunft der beschlagnahmten Tiere offen

Was längerfristig mit den beschlagnahmten Rindern des Grossbauern passieren wird, ist noch unklar. Je nach Verlauf der Behandlung werden sie entweder eingeschläfert, geschlachtet oder gesundgepflegt. In der Folge können sie verkauft oder, falls es die Verhältnisse beim Tierhalter zulassen, diesem zurückgegeben werden.

«Der Halter hat kein Tierhalteverbot», sagt Ineichen. Über 400 Tiere befinden sich immer noch unter der Obhut von B. «Allerdings unter klaren Auflagen», so Kantonstierarzt Otto Ineichen gegenüber der «Luzerner Zeitung».

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