6.02.2019 17:55
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Milchvieh
5%-Regel trifft jeden 2. Biohof
Ab 2022 beschränkt Bio Suisse den Kraftfutteranteil beim Milchvieh auf 5%. Eine Studie zeigt nun, dass heute die Hälfte aller Biobetriebe mehr füttert. Für Bio Suisse ist die Kraftfutterreduktion für diese Betriebe machbar.

Vor einem Jahr beschlossen die Delegierten von Bio Suisse, ab 2022 den  Kraftfutteranteil in der Wiederkäuerfütterung auf 5 Prozent zu beschränken. Heute liegt er bei 10 Prozent.

Drei Jahre

Nun hat Agroscope anhand der Buchhaltungsdaten den Anteil des Kraftfutters für Milchvieh und Aufzucht von Bio-Verkehrsmilchbetrieben geschätzt. Im Mittel beträgt dieser 5 Prozent. 45 Prozent der Betriebe setzen weniger als 5 Prozent Kraftfutter ein. Rund die Hälfte der Bio-Verkehrsmilchbetriebe weist hingegen einen Kraftfutteranteil von über 5 Prozent auf. 

Bis in knapp drei Jahren müssen diese Betriebe ihre Fütterung und Genetik anpassen. Betroffen sind eher grössere Betriebe und Betriebe mit höheren Milchleistungen sowie Betriebe in der Hügel- und Bergregion. Diese setzen laut Agroscope mehr Kraftfutter ein als Biobetriebe in der Talregion. Die Berechnung des Kraftfuttereinsatzes anhand von Buchhaltungsdaten stellt laut Agroscope eine grobe Näherung dar. Dies relativiere die teilweise sehr hohen Kraftfutteranteile. 

Die Hälfte setzt schon weniger als 5 Prozent ein


Diese Einschränkung macht auch Lukas Inderfurth von Bio Suisse: «Die von Agroscope erhobenen Zahlen sind mit Vorsicht zu geniessen. In der Studie wurden die Ausgaben auf ein Standard-Kraftfutter umgerechnet. Das effektiv eingesetzte Kraftfutter ist nicht bekannt, was die Ergebnisse relativiert.» Positiv zu werten sei, dass bereits heute mehr als die Hälfte der Betriebe einen Kraftfutteranteil von weniger als 5 Prozent einsetze. «Viele Betriebe sind zudem nahe am Ziel eines 5-Prozent-Anteils. Die Anpassung der restlichen Betriebe ist gewollt, die Reduktion des Kraftfuttereinsatzes wurde von den Delegierten von Bio Suisse beschlossen. Regelungen für Härtefälle ab 2022 sind nicht vorgesehen.» 

Versuche des FiBL auf Praxisbetrieben haben laut Inderfurth gezeigt, dass der Kraftfuttereinsatz ohne wirtschaftliche Einbussen und ohne Verschlechterung von Tiergesundheit oder Fruchtbarkeit reduziert werden kann – eine optimale Futterproduktion und eine gute Herdengesundheit vorausgesetzt. «Im Februar erscheint ein Merkblatt von FiBL, Bio Suisse und Demeter, das Schritt für Schritt durch den Prozess der Kraftfutterreduktion führt.»

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