26.11.2017 15:52
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Gesundheit
Antibiotikaresistenz: Geflügel nicht hauptverantwortlich
Bei den Diskussionen um die Verbreitung multiresistenter Keime gilt Geflügelfleisch in den Medien oft als Problemprodukt. Dass sich Bakterien, die Extended-Spectrum-Beta-Laktamase (ESBL) bilden, bei Geflügel häufiger nachweisen lassen als bei anderen Fleischsorten, sollte jedoch nicht zu falschen Schlussfolgerungen und negativen Pauschalurteilen führen.

Dies hat Roger Stephan vom Institut für Lebensmittelsicherheit der Universität Zürich kürzlich bei einer Veranstaltung des Aviforums in Zollikofen, dem Kompetenzzentrum der schweizerischen Geflügelwirtschaft, betont.

Behauptungen, es gebe einen übermässigen Einsatz von Antibiotika in der Schweizer Geflügelproduktion, und dies sei hauptverantwortlich für die Resistenzen beim Menschen, seien aus wissenschaftlicher Sicht nicht haltbar, erklärte der Wissenschaftler.

Er wies darauf hin, dass die Antibiotikaanwendungen in Schweizer Geflügelbeständen international auf sehr niedrigem Niveau lägen, denn weniger als jede zehnte Herde müsse behandelt werden.

Mensch und Geflügel unterschiedliche ESBL


Es könne also nicht von einem flächendeckenden, missbräuchlichen Antibiotikaeinsatz gesprochen werden. Die eingesetzten Wirksubstanzen wie Fluorchinolone verursachten in der Regel auch nicht jene Resistenzen, die bei Keimen auf dem Geflügelfleisch gefunden würden.

Zudem haben laut Stephan Untersuchungen gezeigt, dass beim Menschen andere ESBL-Typen dominieren als beim Geflügel. Der beim Menschen mit 41 % am häufigsten vorkommende Typ sei beim Geflügel gar nicht gefunden worden. Eigene Untersuchungen hätten gezeigt, dass nur bei 1,8 % von 450 Geflügelfleischproben ESBL-Bildner quantitativ nachweisbar seien.

Stephan stellte klar, dass die Resistenzproblematik sehr komplex sei und dass die Schweizer Geflügelbranche bereits sehr viel in diesem Bereich getan habe. Eine wissenschaftlich fundierte Risikoanalyse zeige, dass die Zahlen zum Vorkommen von ESBL-Keimen beim Geflügel viel zu kurz griffen und plakative Behauptungen der Situation nicht gerecht würden. 

Ganze Wertschöpfungskette verantwortlich

Stephan hob hervor, dass die gesamte Wertschöpfungskette beim Hygienemanagement gefordert sei. Es sollte beispielsweise darüber nachgedacht werden, in den Schlachthöfen Verfahren zur Schlachtkörperdekontamination, beispielsweise mit Peressigsäure, einzuführen.

Dies würde sowohl gegen resistente Keime als auch gegen Campylobacter wirken. Zudem seien die Verbraucher aufgerufen, einfache Regeln der Küchenhygiene einzuhalten, die eine Keimübertragung verhinderten oder diese über das Erhitzen der Lebensmittel unschädlich machten.

Resistenzproblem wird ernst genommen


Die Vertreter der Schweizer Geflügelbranche betonten bei der Veranstaltung, dass das Problem der Antibiotikaresistenzen schon seit längerem sehr ernst genommen werde.

So seien wissenschaftliche Untersuchungen initiiert und mitfinanziert worden und es werde bei Informationskampagnen sowie im Rahmen der „Bundesstrategie Antibiotikaresistenz“ eng mit den Behörden zusammengearbeitet. Im Vergleich zum Ausland und mit anderen Nutztierarten sei die Situation beim Schweizer Geflügel sehr gut, denn 90 % bis 95 % der heimischen Herden würden nie mit Antibiotika behandelt.

Vertrauen der Konsumenten stärken

Die enge Zusammenarbeit zwischen Produktion, Verarbeitung und Vermarktung ermögliche zudem, dass jede Stufe in die Bestrebungen zur Optimierung von Tiergesundheit und Lebensmittelhygiene eingebunden sei.

Ziel sei es, das Vertrauen der Konsumenten in das Geflügelfleisch zu stärken, hoben die Branchenvertreter hervor. Das wichtigste Anliegen der Konsumenten sei dabei das Tierwohl. Eng damit verknüpft sei die Erwartung, dass tiergerecht gehaltenes Geflügel gesund bleibe und keine übermässigen Antibiotikamengen benötige. 

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