30.06.2014 09:45
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Österreich
A: Schleichende Verdrängung der Geflügelproduktion
Den enormen Verdrängungsdruck in der heimischen Geflügelbranche hat der Präsident des Österreichischen Bauernbundes, Jakob Auer, kritisiert. Höchste Qualitätsstandards träfen in Österreich auf gesetzlich vorgeschriebene, niedrige Besatzdichten, erklärte Auer vergangene Woche in einer Pressemitteilung.

Dies habe zur Folge, dass die Geflügelhalter im Vergleich mit der europäischen Konkurrenz höhere Kosten hätten, während ihre Berufskollegen in Nachbarländern mehr Hühner beziehungsweise Puten (Truthähne) je Quadratmeter halten dürften. Dadurch gerieten die Betriebe immer mehr in eine wirtschaftliche Zwickmühle. Schon jetzt sei zu erkennen, dass die Inlandsversorgung durch Betriebsaufgaben immer schwieriger werde.

„Eine geringere Besatzdichte ist gleichbedeutend mit einer Auslagerung der Fleischproduktion in Länder mit gleichzeitig geringeren Gesundheitsstandards“, stellte der Bauernbundpräsident fest. Dabei sei die österreichische Geflügelbranche selbst mit einem intensiven Qualitätsprogramm in Vorleistung gegangen. Darin werde ein ganzheitlicher Ansatz in Richtung Tiergesundheit vertreten, ohne dabei die Wirtschaftlichkeit aus den Augen zu verlieren.

Dies sei sehr vernünftig, denn mit der Reduzierung der Geflügelwirtschaft auf den Punkt „Besatzdichte“ würden auf Dauer das Tierleid exportiert und mindere Qualität importiert. Verwundert reagiert der Bauernbundpräsident auf zwei Entschliessungsanträge, die vergangene Woche vom Team Stronach eingebracht wurden. Darin fordert die Partei die derzeit gültige Schlechterstellung der heimischen Geflügelbranche im Vergleich zu anderen EU-Ländern beizubehalten, also eine Begrenzung der Besatzdichte bei Puten auf 40 kg/qm, bei Hühnern auf 30 kg/qm.

Laut Auer werden im Vergleich dazu beispielsweise in Deutschland bei Puten 70 kg/qm und darüber eingestellt, und im EU-Raum gelte bei Hühnern eine Grenze bis zu 42 kg/qm. „Wenn die Differenz zu unseren Nachbarländern zu gross und somit die Produktion bei uns nicht mehr möglich ist, ist niemandem geholfen“, gab der Verbandspräsident zu bedenken. Bereits jetzt liege Österreichs Eigenversorgung mit Trutenfleisch unter 50 %, und ein weiteres Sinken sei vorhersehbar.

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