30.08.2014 16:38
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Milchpreis
Wieso Bauern in den Medien auf einmal mehr verdienen
Die Agrarpolitik und die Agrarmärkte sind kompliziert. Deshalb werden oft auch fehlerhafte Meldungen in die Welt gesetzt.

«71 Rappen pro Kilogramm Milch», titelte die NZZ am vergangenen Donnerstag. «Die Bauern können ihre Milch im Inland weiterhin für 71 Rappen pro Kilogramm verkaufen», hiess es im Text weiter. Zwar hiess es dann auch noch, dass der Preis für A-Milch für das vierte Quartal unverändert bleibe. Doch der Gesamteindruck, den wohl viele NZZ-Leser behalten werden, ist: Die Milchbauern erhalten 71 Rappen pro Kilogramm Milch auf die Hand ausbezahlt.

Nur Richtpreis

Keine Rede also davon, dass es sich um einen Richtpreis franko Rampe handelt. Es war auch keine Rede davon, dass die A-Milch nur einen Teil der gesamten Milchmenge umfasst und dass die Preise für B-Milch und dann vor allem für C-Milch deutlich tiefer liegen. Und es stand auch nichts darüber, dass der Richtpreis bei Weitem nicht überall eingehalten wird.

Das Beispiel zeigt, wie schwer es manchmal für nicht landwirtschaftliche Medien ist, die teilweise komplexe Funktionsweise der Märkte und vor allem das Zustandekommen der Preise zu verstehen und richtig wiederzugeben. Doch eigentlich hat die NZZ die Meldung gar nicht selber verfasst. Wie so häufig, wurde hier ganz einfach eine Meldung der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA) übernommen. Es war also die SDA, die den Titel «Bauern erhalten weiterhin 71 Rappen pro Kilogramm Milch» in ihrer Meldung in die Welt setzte.

SDA besserte nach

Doch immerhin änderte die SDA ihre Meldung auf einen entsprechenden Hinweis des «Schweizer Bauer» wieder ab. Der Titel der revidierten Meldung lautete neu «Richtpreis für Inland-Milch bleibt bei 71 Rappen pro Kilogramm». Und im  Fliesstext schrieb die SDA neu: «Für den grössten Teil der Schweizer Milchproduktion gilt weiterhin ein Richtpreis von 71Rappen pro Kilogramm.»

Doch die Änderung im SDA-Newsticker wurde offenbar in der NZZ-Redaktion übersehen. Deshalb  blieb die ursprüngliche, verzerrte Meldung im freisinnigen Wirtschaftsblatt stehen. 

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