5.01.2018 17:25
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Jahresrückblick
Molkereimilchpreise decken Kosten nicht
Der Bauernverband attackierte öffentlich Molkereien und Detailhändler. Denn die Milchpreise deckten die Kosten nicht.

«Bauernchef» wurde Bauernverbandspräsident Markus Ritter in einem Dokfilm des Schweizer Fernsehens genannt. Und dieser Bauernchef nahm im vergangenen Jahr verstärkt Einfluss auf den Milchmarkt, mit dem er ganz und gar nicht zufrieden ist. Immer wieder sprach er von «miserablen Produzentenpreisen», die dort bezahlt würden.

Einstellen, wenn nicht kostendeckend

Der diesbezügliche Höhepunkt fand am 6. Juli in Bern statt. Die Schweizer Milchproduzenten (SMP) waren auch eingeladen, schickten aber niemanden als Redner. «Jene, die im Moment nicht mitmachen wollen, müssen das auch entsprechend rechtfertigen und legitimieren», sagte Ritter auf eine entsprechende Frage hin. Dann zeigte der Bauernverband, was für schlechte Milchpreise die vier grossen Molkereien Elsa, Hochdorf, Emmi und Cremo bezahlen. Am besten kam noch die Elsa weg, während die Cremo mit einem Preis von nicht einmal 50 Rp./kg unten durch musste und bös an den Pranger kam.

Ziemlich unverblümt rief Ritter die Milchbauern auf, genau zu rechnen, mit Investitionen in die Milchproduktion sehr vorsichtig zu sein, ja eigentlich forderte er die Milchbauern zum Einstellen der Produktion auf, wenn die Preise nicht kostendeckend seien. Und das sind sie bei der ÖLN-Molkereimilch in den wenigsten Fällen, wie  Markus Höltschi vom Hohenrain LU im Dezember bei BIG-M erneut vorrechnete: Im Schnitt wären im Tal 77 Rp./kg nötig, damit ein Stundenlohn von 28 Fr. möglich ist.

Preisanstieg im Herbst

Ende Mai verhinderten die Käser  sowie Migros und Hochdorf eine Erhöhung des A-Richtpreises noch. Sie befürchteten vor allem weitere Marktanteilsverluste, und die Migros störte sich daran, dass Cremo so tief unter dem Richtpreis blieb. So blieben in der Schweiz die Preise tief, während sie in der EU rapide stiegen (vor allem der Butterpreis). Dieses Hinterherhinken wurde von der BOM und von Molkereivertretern auch damit begründet, dass der Preis in der Schweiz zuvor nicht so stark gesunken sei wie in der EU und sie den Richtpreis für A-Milch höher gehalten hätten, als es der Index nahegelegt habe.

Erst per 1. Oktober wurde eine Richtpreiserhöhung um 3 Rp./kg beschlossen, die auch gut umgesetzt worden ist. Im Bio-Milchbereich blieben die Preise im Schnitt über das Jahr hinweg bei rund 80 Rp./kg, was natürlich damit zusammenhängt, dass sozusagen keine Biomilch exportiert wird. Auch die Käsereimilchpreise bewegten sich auf dem Niveau der zwei vergangenen Jahre, Gruyère AOP, der wichtigste Sortenkäse der Schweiz, hielt sich bei rund 80 Rappen. 

Es besteht Absturzgefahr

Die Butterlager fielen im Dezember auf einen Tiefststand, was laut den SMP eine optimale Ausgangslage für 2018 bedeutet. Trotzdem ist im Hinblick aufs nächste Jahr die Absturzgefahr gross. Denn in Deutschland und in den Niederlanden sanken die Spotmilchpreise im Dezember sehr stark auf unter 20 Eurocent. Gleichzeitig hat der EU-Agrarkommissar Phil Hogan beschlossen, dass er kein Milchpulver mehr einlagern wird. Und die EU-Milchmenge ist während des Herbstes stark angestiegen.  

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