23.10.2016 09:23
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Milchmarkt
Milchproduktion: 46 % der Kosten ungedeckt
Das Verhältnis von Kosten und Erlösen war im Sommer 2016 für die Milchviehbetriebe in Deutschland so schlecht wie nie zuvor.

 Wie die Milcherzeugergemeinschaft (MEG) Milch Board am vergangenen Mittwoch mitteilte, standen nach Berechnungen des Büros für Agrarsoziologie & Landwirtschaft (BAL) im Juli durchschnittlichen Produktionskosten von 45,05 Cent je Kilogramm Milch Erzeugerpreise von 24,40 Cent/kg im Bundesmittel gegenüber. Damit habe die Preis-Kosten-Ratio ein neues Allzeittief erreicht, kritisierte die MEG. Zur Jahresmitte hätten den Milchbauern zur Vollkostendeckung 20,65 Cent/kg gefehlt, was einer Unterdeckung von 46 % entsprochen habe.

Die Wirtschaftlichkeit der Milcherzeugung sei damit auf ein dramatisches Niveau ohne Arbeitseinkommen gesunken, wo zudem auch keine Abschreibungen mehr bedient werden könnten. Das European Milk Board (EMB) wies darauf hin, dass die Produktionskosten auch in anderen EU-Ländern regelmäßig über der Marke von 40 Cent/kg lägen, während die Milcherzeugerpreise regelmäßig darunter blieben. Diese systematische Unterdeckung sei auf die Übermengen am Milchmarkt zurückzuführen, erklärte der EMB. Erstmals komme jetzt mit dem freiwilligen Lieferverzicht gegen Entschädigung ein Instrument zur Anwendung, das „gegen die Überproduktion arbeite“.

Es zeige sich, dass es wirksame Anreize der Politik für kollektive Marktreaktionen der Erzeuger geben könne, was ein Lichtblick sei. Unabdingbar sei, das Prinzip der Mengenrückführung nun auch in ein Kriseninstrumentarium zu überführen, für welches der EMB mit seinem Marktverantwortungsprogramm einen guten Vorschlag gemacht habe. Der MEG-Vorsitzende Peter Guhl forderte Erzeuger, Molkereien, Handel und Politik auf, „aus dieser Krise zu lernen“. Für ihn gehört dazu auch eine Neuregelung der Lieferbeziehungen zwischen Milcherzeugern und Molkereien, zum Beispiel über schuldrechtliche Verträge mit eindeutigen Preis- und Mengenvereinbarungen. Denn solange das nicht gelinge, so Guhl, bleibe die Krise in der Endlosschleife gefangen.

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