26.07.2017 12:48
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
Milchpreise nicht kostendeckend
Die deutschen Milchbauern sind nach Einschätzung des European Milk Boards (EMB) trotz der gestiegenen Preise noch weit von kostendeckenden Erlösen entfernt. Der Verband verwies vergangene Woche auf eine Kostenstudie des Büros für Agrarsoziologie und Landwirtschaft (BAL), wonach im April 2017 einem durchschnittlichen Milchpreis von 33,87 Cent/kg (37.3 Rp.) Kosten von 42,0 Cent/kg (46.2 Rp.) gegenüberstanden.

Die Deckungsrate habe sich somit auf lediglich 81% belaufen. Die Studie war gemeinsam vom EMB und der Milcherzeugergemeinschaft (MEG) Milch Board in Auftrag gegeben worden.

Für den EMB-Vorsitzenden Romuald Schaber zeigt die berechnete Lücke von fast einem Fünftel bei der Kostendeckung einen „äusserst problematischen Zustand für den Milchsektor“ auf. Die Milcherzeuger produzierten ein wichtiges Grundnahrungsmittel in höchster Qualität, entwickelten sich ständig weiter, trügen ein vergleichsweise hohes Berufsrisiko und hielten mit ihrer Arbeit die ländlichen Räume lebendig.

Da müsse gefragt werden, ob auf dem Einkommenszettel der Bauern tatsächlich ein Minus von 19% stehen dürfte, so Schaber. Dem EMB-Präsidenten zufolge enthält die Rechnung für die Milcherzeugungskosten auch die notwendigen Arbeitsleistungen. Schaber wirft anderen Institutionen in diesem Zusammenhang vor, die Arbeitsleistung des Betriebsleiters und der Familienarbeitskräfte nur zum Teil oder auch gar nicht mit in die Kalkulation aufzunehmen. Dadurch entstünde aber oftmals ein verzerrtes Bild darüber, was die Herstellung von Milch kosten würde oder auch kosten dürfe.

Der Vorstandsvorsitzende der MEG Milch Board, Peter Guhl, stellte mit Blick auf die aktuelle Preisentwicklung am Milchmarkt fest, dass die Krisenprogramme der EU und des Bundes gegriffen hätten. Nach seiner Auffassung hat sich im Zuge der Milchkrise gezeigt, welchen Schaden geringe Übermengen am Markt anrichten können. Guhl rechnet in den kommenden Monaten mit weiter steigenden Milchpreisen. Besonders der aussergewöhnliche Hitzesommer in Südeuropa werde die Situation weiter befeuern. Preise jenseits der 40 Cent-Marke seien im Herbst realisierbar.

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