28.12.2017 07:32
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Milchmarkt
Keine Direktlieferanten mehr
Die Molkerei Hochdorf will keine Direktlieferanten mehr. Die 57 Milchbauern stehen nun vor der Rückkehr zu den ZMP.

Die Milchverarbeiterin Hochdorf will für ihre 57 Direktlieferanten nicht mehr der direkte «Best Partner» sein. Sie will in Zukunft in der Schweiz alle Milch von Pool-Milchhändlern einkaufen. Darüber sind die Produzenten in einem Brief informiert worden, und Chef Thomas Eisenring persönlich trat an einer Infoveranstaltung auf.

Sparpotenzial beim Milcheinkauf

Laut Augenzeugen ist dabei aber auch deutlich geworden, dass Hochdorf beim Milcheinkauf Sparpotenzial erkannt hat. Denn laut Marktkennern musste den Hochdorf-Direktlieferanten de facto immer etwa der Preis der umliegenden Lieferanten der Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) bezahlt werden. Das ist mehr, als Hochdorf den Pool-Lieferanten bezahlt. Nun könnte es sein, dass Hochdorf in Zukunft auch für die 7% Milch, die heute von den Direktlieferanten kommen, den etwas tieferen Pool-Preis bezahlt (am Ende ist dies aber Verhandlungssache).

Einige Direktlieferanten fühlen sich vor den Kopf gestossen. Dem widerspricht Christoph Hug, Mediensprecher der Hochdorf-Gruppe: «Die Anfrage kommt von den ZMP.» Laut ihm ist das Verhältnis zwischen Hochdorf und ZMP deutlich besser als früher, die ZMP seien ja auch ein Investor bei Hochdorf. Hug sagt auch, in letzter Zeit seien weder neue Direktlieferanten dazugekommen noch Direktlieferanten abgeworben worden.

Eintrittsgeld bei den ZMP

Er betont, dass die ZMP eine regelmässige und bedarfsgerechte Milchversorgung zugesagt hätten. Nun würden Gespräche laufen zwischen den ZMP und den Hochdorf-Direktlieferanten. Offenbar versprechen sich einige von ihnen auch einen Vorteil, wenn sie gerade jetzt zu den ZMP gehen. Sollte dort in Zukunft die Rückvergütung am Emmi-Erfolg erhöht werden, würde  der Wechsel  später wohl teurer.

Die ZMP bestätigen diese Gespräche auf Anfrage. Der Wunsch der ZMP sei, dass alle Hochdorf-Direktlieferanten auf den gleichen Zeitpunkt hin geschlossen zu den ZMP wechslen würden, sagt Sprecherin Carol Aschwanden. Das Eintrittsgeld, um Vollmitglied bei der Genossenschaft ZMP inkl. Rückvergütung für Emmi-Erfolg zu werden, sei aber gleich wie bei anderen: 1000 Franken plus 1 Rp. pro kg gelieferte Milch während einem Jahr.

2009 von ZMP weg

Das Pikante dabei ist, dass es sich bei den Hochdorf-Direktlieferanten um ehemalige ZMP-Mitglieder handelt, die im Frühling/Sommer 2009 ihre Milch an Hochdorf zu liefern begonnen hatten. Dort konnten sie – anders als damals bei den ZMP – ihre Milchmenge stark ausdehnen, bereits nach einem Jahr wurde die Milch über dem Lieferrecht als A-Milch bezahlt.

Der damalige ZMP-Präsident Moritz Erni kritisierte im Juni 2009: Während Hochdorf den ZMP nur noch Spotmilch für 50 Rp. abkaufen wolle, habe die Firma den von den ZMP übernommenen Grossproduzenten über 60 Rp. angeboten. Es fielen harte Worte, und die neuen Hochdorf-Lieferanten wurden unter Getöse aus den ZMP ausgeschlossen.  

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