1.10.2015 15:35
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Deutschland
Kampf um die nackte Existenz
Den Milchbauern in der Europäischen Union geht alles andere als gut. Wie ihre Schweizer Kollegen kämpfen sie für bessere Milchpreise. Milchviehalter aus Deutschland wollen am Freitag anlässlich der Herbst-Agrarministerkonferenz noch einmal auf die schwierige Lage der Bauern aufmerksam machen.

Viele Milchviehhalter kämpfen um das nackte Überleben. Um ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen, haben Bauern anlässlich der Herbstkonferenz der Agrarminister der deutschen Bundesländer in Fulda mit einer symbolischen Aktion auf die schwierige Lage aufmerksam gemacht. Sie haben sich ihrer Jacken und Pullover entledigt. „Wir kämpfen und die nackte Existenz“, machen die Bauern klar.

Drei Krisen in sechs Jahren

Organisiert wurde die Aktion vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM). „Drei Krisen in sechs Jahren zeigen längst deutliche Spuren auf den Höfen“, schreibt die Organisation am Donnerstag in einem Communiqué. Der BDM fordert von den Agrarministern nicht mehr bloss Absichtserklärungen für die mittel- bis langfristige Zukunft, sondern schnell wirksame Massnahmen.

„Es sind Beschlüsse zu fassen, die ohne Wenn und Aber die Milchmarktproblematik an der Wurzel anpacken. Das bestehende Überangebot an Milch muss beseitigt werden, damit sich der Markt und damit die Produzentenpreise schnell erholen können“, betont der BDM.

Die Organisation schlägt folgende Massnahmen vor:

  • Verwendung der Mittel der Superabgabe in Höhe von 900 Mio. Euro (980 Mio. Fr.) für ein Anreizprogramm zur zeitlich befristeten, freiwilligen Rückführung der Milchanlieferung.
  • Zudem eine zeitlich befristete Deckelung der EU-Milchproduktion. So soll die Marktwirksamkeit der zeitlich befristeten, freiwilligen Rückführung gewährleistet bzw. verstärkt werden.
  • Die umgehende Einberufung eines Runden Tisches auf Bundesebene durch deutschen Agrarminister Schmidt mit sämtlichen Branchenbeteiligten. Der BDM bekräftigt und erneuert damit seine Forderung, die er bereits seit Oktober 2014 stellt.

Auch eine Erweiterung des EU-Sicherheitsnetzes müsse diskutiert werden, so der BDM. Ziel müsse es aber sein, dass das Haupteinkommen über genügend hohe Produzentenpreise erzielt werde könne. Um den Forderungen mehr Gewicht zu verleihen, werden am Freitag Milchviehhalter aus ganz Deutschland nach Fulda reisen.

Marktkrisenmanagement-Konzept

Das Marktkrisenmanagement-Konzept kann gemäss BDM in die bestehenden "Kriseninstrumente Intervention und Private Lagerhaltung" integriert werden. Es wird aber erweitert. Sollte es nicht gelingen, die nachgefragten Mengen einzulagern, sollen die Milchmengen nach einer Frühwarnung zeitlich befristet gedeckelt werden können, um weiteren Preisdruck und Wertschöpfungsverluste für die Milchviehhalter zu vermeiden.

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