7.12.2015 13:29
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE/blu
Deutschland
Historischer Tiefpunkt erreicht
Die Schere zwischen Kosten und Erlösen hat sich Mitte 2015 für die Milchviehbetriebe in Deutschland weiter verschlechtert. Die Milcherzeugungskosten bleiben auf hohem Niveau, die Milchauszahlungspreise sind aber immer noch auf Talfahrt. Die Unterdeckung habe ein nie gekanntes Ausmass erreicht, so die Milcherzeugergemeinschaft (MEG) Milch Board.

Wie die Milcherzeugergemeinschaft (MEG) Milch Board vergangene Woche mitteilte, standen nach Berechnungen des Büros für Agrarsoziologie & Landwirtschaft (BAL) im Juli durchschnittlichen Produktionskosten von 44,79 Cent (48,4 Rp.) je Kilogramm Milch Milchauszahlungspreise von 29,42 Cent/kg (31,7 Rp.) im Bundesmittel gegenüber.

Kostenentwicklung

Den niedrigsten Auszahlungspreis gab es im Juli in Schleswig-Holstein mit 27,8 Cent pro Kilogramm Milch (April: 28,3 Cent) und den höchsten in Bayern mit 31,3 Cent (April: 33 Cent). Die Preis-Kosten-Ratio verschlechterte sich dagegen zu den letzten Quartalsergebnissen deutlich. Hatte die Unterdeckung der Milcherzeugungskosten im April noch 31 Prozent betragen (Ratio 0,69), stieg sie in der aktuellen Berechnung auf 34 Prozent (Ratio 0,66).

Damit habe die Preis-Kosten-Ratio einen neuen historischen Tiefpunkt erreicht, kritisierte der MEG-Vorsitzender Peter Guhl. Und das obwohl die Milchpreise während der Milchkrise 2009 rund 3,6 Cent unter dem aktuellen Auszahlungsniveau lagen, schreibt das MEG. Die Ursache für dieses schlechte Ergebnis liegt in der Kostenentwicklung. Während die Milcherzeugungskosten 2009 noch bei 38,5 Cent je Kilogramm Milch lagen, müssen die Milchbauern in Deutschland heute im Durchschnitt dafür 44,79 Cent berappen.

Situation nicht verharmlosen

Zur Jahresmitte hätten den Milchbauern zur Vollkostendeckung 15,37 Cent/kg gefehlt, was einer Unterdeckung von 34 % entsprochen habe. Für die Verschlechterung der aktuellen Lage machte Guhl den Verfall der Milchpreise verantwortlich, die seit der letzten Berechnung im April im Bundesmittel um 2 Cent/kg nachgegeben hätten. Er warnte alle Analysten davor, die aktuelle Lage zu verharmlosen.

Preis-Kosten-Ratio

Die Preis-Kosten-Ratio setzt die ermittelten Milcherzeugungskosten ins Verhältnis zu den amtlich erfassten Milcherzeugungspreisen. Die Ratio ist ein Mass für die Unter- (oder Über-)deckung. Im Vergleich zur „Milk-Feed-Price-Ratio“, die von der US-Administration verwendet wird, hat die Preis-Kosten-Ratio eine deutlich grössere Aussagekraft, weil sie alle kostenwirksamen Bestandteile der Milchproduktion und den Einkommensansatz berücksichtigt und nicht nur die Futterkosten. An den Veränderungen im zeitlichen Ablauf kann abgelesen werden, ob die Unter- (oder Über)deckung zu- oder abgenommen hat.

Angesichts der laufenden Debatte sei es skandalös, dass viele politische Entscheidungsträger die Augen vor den aktuellen Geschehnissen am Milchmarkt verschlössen. „Fehler zu machen ist keine Schande, sie nicht zu korrigieren schon“, betonte Guhl.

Überproduktion als Grund für Preissturz

Das European Milk Board (EMB) in Brüssel wies darauf hin, dass die dramatische Lage auf den Milchviehbetrieben in ganz Europa ein Problem sei. Umso unverständlicher sei es, dass sich EU-Agrarkommissar Phil Hogan bis heute trotz der Fakten weigere, von einer Krisensituation zu sprechen. Die damit verbundene politische Passivität verschleppe und vergrössere das Problem noch zusätzlich, kritisierte das EMB.

Grund für den Preissturz am Milchmarkt sei die Überproduktion, die man jedoch mit wirksamen Instrumenten eindämmen könne. Man habe deshalb das Marktverantwortungsprogramm erarbeitet, das mit einem verantwortungsvollen und freiwilligen Lieferverzicht die Mengen in ganz Europa wieder auf ein gesundes Mass bringen könne.

Milcherzeugungspreise

Die ausgewiesenen Milcherzeugungspreise für Deutschland sind den statistischen Monats- und Jahresberichten des BMELV entnommen und beziehen sich auf standardisierte Werte von 4 % Fett und 3,4 % Eiweiss.

Hintergrund

Der Milch Marker Index (MMI) beruht auf der Studie „Was kostet die Erzeugung von Milch?“. Der Index zeigt die Entwicklung der Milcherzeugungskosten auf und wird in regelmäßigen Abständen vom Büro für Agrarsoziologie und Landwirtschaft (BAL) aktualisiert. Die Preis-Kosten-Ratio verdeutlicht, inwieweit das „Milchgeld“ die Produktionskosten abdeckt. Die Berechnungen basieren auf Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) und des InformationsNetzes Landwirtschaftlicher Buchführungen der EU (INLB).

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