24.11.2013 08:03
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Österreich
Erstaunlich: Molkereien fordern faire Preise für Milchprodukte
Faire Preise für heimische Milch und Milchprodukte hat der Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM), Helmut P etschar, gefordert.

Es müsse allen bewusst sein, dass die nachhaltige Produktion auf einem hohen Standard nur dann möglich sei, wenn dieser Mehrwert auch zu einem entsprechenden Preis führe, erklärte Petschar am vergangenen Donnerstag beim Milchforum der Agrarmarkt Austria (AMA) in Graz. Gentechnikfreiheit, die Produktion in Berggebieten und höhere Standards führten zu einer besseren Qualität, aber auch zu steigenden Kosten, die abgegolten werden müssten; ansonsten werde dieser Mehrwert gefährdet.

Daher seien der Handel und die Verbraucher gefordert, die vorbildlichen Standards in der Herstellung durch eine entsprechende Abgeltung abzusichern. „Milch wird in Österreich mit höchster Sorgfalt und Verantwortung produziert und zu hochwertigen Erzeugnissen verarbeitet, so dass deren voller Nährwert ungeschmälert zu den Verbrauchern gelangt“, betonte der VÖM-Präsident. Eine kleinteilige Produktion, strenge Tierschutz- und Umweltauflagen sowie besondere Hygienestandards gewährleisteten eine hohe Qualität.

Zudem werde mit dem Kauf von heimischer Milch die Pflege der Landschaft gesichert, denn rund 75 % der Rohmilch stammten aus Berg- und benachteiligten Gebieten. Für die österreichischen Bauern sei eine entsprechende Entwicklung der Milchgelder essentiell, denn es gehe um die Absicherung der heimischen Höfe sowie die Abgeltung höherer Kosten im Futterbereich und bei Betriebsmitteln, unterstrich Petschar. Nicht vertretbar sei es hingegen, dass für höhere Qualität nicht die entsprechenden Preisanpassungen gewährt würden, wie dies auch für Standardqualitäten am Weltmarkt geschehe. Gerade im Sinne der vielgepriesenen Regionalität, die auch von heimischen Handelsketten stark beworben werde, sei in dieser Frage eine verantwortungsvollere Vorgangsweise notwendig.

Stabile Entwicklung am Milchmarkt

Laut Petschar hat die stabile Entwicklung am Weltmilchmarkt zuletzt den europäischen und österreichischen Milchmarkt nach oben getrieben, auch wenn die Preisanpassungen in Österreich vergleichsweise spät oder in geringem Maße erfolgt seien. Die feste Marktentwicklung sei auf eine Verknappung in wichtigen Produktionsgebieten zu Beginn dieses Jahres und eine rege Nachfrage am Weltmarkt zurückzuführen.

Aufgrund der restriktiven Politik des heimischen Lebensmittelhandels hätten die österreichischen Milchbauern und -verarbeiter jedoch nicht im entsprechenden Ausmaß von der internationalen Marktentwicklung profitieren können, und dies trotz der objektiv höheren Produktionsstandards. Diese Entwicklung sei für die Milchbranche nicht akzeptabel und könnte in weiterer Folge zu entsprechenden Umdisponierungen von Milchmengen führen. Die Erzeugerpreise erreichten nach Petschars Angaben im September dieses Jahres im Durchschnitt 38,86 Cent netto beziehungsweise 43,52 Cent brutto je Kilogramm Milch und lagen damit um 12 % über den Vergleichswerten des Vorjahres, vor allem dank verbesserter Erlöse im Export. Dennoch sei es bislang nicht gelungen, die Dynamik des Weltmarktes auch in Österreich entsprechend umzusetzen.

Milchprodukte immer noch sehr günstig

Petschar beklagte, dass die österreichischen Milchverarbeiter zwar die Molkereiabgabepreise beeinflussen könnten, die Endverbraucherpreise jedoch von den dominierenden Handelsketten festgelegt würden; daher sei die Preisentwicklung nicht unbedingt identisch. Insgesamt bleibe aber festzuhalten, dass Milchprodukte in Österreich immer noch sehr günstig seien.

Im Preiseinstiegssegment seien sie sogar billiger als vor 20 Jahren. Butter koste 7,2 % weniger als 1993, und bei Emmentaler seien es 19,4 % weniger, obwohl im gleichen Zeitraum die Inflation bei 47,8 % gelegen habe und die Durchschnittslöhne um 65,2 % gestiegen seien. Zudem würden moderate Preisanpassungen für Milchprodukte nur zu sehr überschaubaren Mehrkosten für die Verbraucher führen, gab der VÖM-Präsident zu bedenken. Rund 10 Cent mehr je Liter Trinkmilch bedeuteten 66 Cent je Monat oder 8 Euro pro Jahr zusätzlich für den Käufer, während ein Preisaufschlag von 1 Euro je Kilogramm Butter und Käse für die Konsumenten einen Mehraufwand von etwa 2 Euro im Monat beziehungsweise 25 Euro pro Jahr zur Folge hätte.

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