11.04.2016 08:20
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
D: Billigpreise zerstören Milchbauern
Die jüngste Preissenkungsrunde für Milcherzeugnisse bei den Discountern und nachfolgend auch bei anderen Lebensmitteleinzelhandelsketten ist beim Bayerischen Bauernverband (BBV) auf scharfe Kritik gestossen.

Dessen Milchpräsident, Günther Felssner, monierte vergangene Woche in München, dass die bayerischen Milchbauern höchste Qualität lieferten, die Handelskonzerne jedoch mit ihrer Ramschpreispolitik das ökonomische Fundament der Bauernhöfe zerstörten.

Nachhaltigkeit mit Füssen getreten

„Die niedrigen Preise bringen viele Bauernfamilien in Existenznot. Und was machen die Handelskonzerne? Sie reden über regionale und nachhaltige Produktion, treten die Nachhaltigkeit aber gleichzeitig mit Füssen“, stellte Felssner verbittert fest. Als Extrembeispiel nannte er Schleuderpreise eines Rewe-Marktes im schleswig-holsteinischen Dithmarschen, in dem kürzlich ein Liter H-Milch der Molkerei Weihenstephan für lediglich 20 Cent (22 Rp.) angeboten wurde.

Der BBV-Milchpräsident appellierte deshalb an die Konsumenten und Molkereien, ihr Verhalten zu überdenken, denn „wer Ja sagt zu Billigstprodukten, sagt Nein zur bäuerlichen Landwirtschaft“. In der Vermarktung bayerischer Milchprodukte setzt Felssner sowohl auf den Markt vor der eigenen Haustüre als auch auf die weltweit steigende Nachfrage: „Wir wollen Konsumenten vor Ort mit regionalen Produkten versorgen, müssen aber gleichzeitig stärker dort Fuss fassen, wo kaufkräftige Kunden weltweit die einzigartigen Produkte aus Bayern mehr schätzen“, erklärte der Milchpräsident.

Bündelung der Produzenten

Dabei schliessen sich für ihn Wochenmarktund Weltmarkt keineswegs aus. Vielmehr seien zusätzliche Vermarktungsmöglichkeiten notwendig, damit die Bauern dem „verantwortungslosen Preisdiktat“ des deutschen Handels nicht mehr so ausgeliefert seien. Ein Weg dazu sieht Felssner in der noch stärkeren Bündelung der Produzenten und einer gezielteren Vermarktung hochwertiger Produkte aus Bayern.

Erfolge dieser Strategie seien bereits sichtbar, da der Milchpreis in Bayern um bis zu 4 Cent über dem bundesweiten Durchschnitt liege. Der BBV-Milchpräsident betonte, dass dies „nicht über das derzeit desolat niedrige Niveau des Milchpreises hinwegtäuschen“
könne. Es zeige aber, wo in dieser schwierigen Situation weiter angesetzt werden müsse.

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