6.07.2017 09:17
Quelle: schweizerbauer.ch - Jeremias Niggli
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Zerfall und Verbuschung
Studenten der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL besuchten auf ihrer Abschlussreise Russland. Sie berichten über ihre Erlebnisse aus Städten und Landwirtschaftsbetrieben. Im dritten Teil berichten sie über ein «anderes» Russland

Beim gemeinsamen Frühstück am Dienstagmorgen sah man das eine oder andere etwas müde Gesicht. Denn die interessanten Gespräche mit den Mitarbeitern des Betriebs «Schweizer Milch» zogen sich zum Teil bis spät in die Nacht hinein. Viele waren von den Dimensionen des Betriebes fast sehr beeindruckt.

Von der Milch zur Raumfahrt

Nach dem Frühstück hatten wir noch die Möglichkeit, die Milchabfüllanlage des Betriebes anzuschauen. Ein grosser Teil der Milch wird in 1-Liter-Packungen abgefüllt und unter dem Label «Schweizer Milch» an diverse Detailhändler verkauft. Dadurch kann die Wertschöpfung auf dem Betrieb erhalten und verbessert werden. Dank der neuen Abfüllanlage, welche seit einiger Zeit in Betrieb ist, konnte die Qualität zusätzlich verbessert und die Leistung erhöht werden.

Die Reise für uns ging nun weiter, jedoch in andere Sphären: Wir besuchten das Museum der Geschichte der Raumfahrt in Kaluga. Bei einer Führung erfuhren wir spannende Details zur russischen Raumfahrt. Nach der Führung kam bereits der Hunger auf. Zum Glück waren in einem nahe gelegenen Restaurant einige Tische reserviert.

Zerfall und Verbuschung

Nach dem Essen fuhren wir weiter nach Orel. Die Fahrt dauerte rund vier Stunden. Sie führte uns in Gegenden von Russland, die einen starken Kontrast zu dem bisher Erlebten bildeten. Viele Dörfer waren ärmlich, die Strassen in einem sehr schlechten Zustand.  

Prunkbauten, wie sie in Moskau anzutreffen waren, suchte man vergeblich. Zwischen den Dörfern fuhr man an riesigen Feldern vorbei, die brachlagen und bei denen die Verbuschung zum Teil bereits stark fortgeschritten war.  

Kein Kapital

Für uns Schweizer, die oft um jeden Quadratmeter Ackerland kämpfen, war dies ein ungewohntes Bild. Weshalb werden hier keine Nahrungsmittel mehr produziert? Die Gründe sind vielfältig. Ein wichtiger Grund ist, dass oft zu wenig Kapital vorhanden ist, um die Flächen zu bewirtschaften.

Klar, es handelte sich meist nicht um die besten Schwarzerdeböden, wie wir sie später noch antrafen. Aber auch auf diesen Böden wäre eine angepasste Nahrungsmittelproduktion gut möglich.

«Kleinstadt» mit 300'000 Einwohner

Nach der langen Busfahrt kamen wir gegen Abend endlich in der Kleinstadt Orel an. Als wird aus dem Bus ausgestiegen sind, merkten wir, dass «Kleinstadt» in Russland etwas anderes bedeutet als in der Schweiz. Denn in Orel leben über 300'000 Einwohner.

Orel entpuppte sich aber schon am ersten Abend als charmante Stadt. Zum Abendessen gab es ein leckeres Gericht, das auch Buchweizen, dem «Nationalgetreide» von Russland, enthielt. Dabei diskutierten wir viel über das Gesehene. Viele von uns waren total baff, nach dem pompösen Moskau ein völlig «anderes» Russland zu sehen.

Nach dem Abendessen genossen wir das warme Wetter am Ufer des Flusses Orlik, der durch Orel fliesst. Während einige nun bei einem Bier den Abend ausklingen liessen, zog es andere etwas früher ins Bett, um am nächsten Tag wieder genügend Energie für die Betriebsbesichtigungen zu haben.

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