16.12.2015 07:13
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
USA
USA: Höhere Zinsen nützen der Schweiz
Die Finanzwelt wartet auf den Entscheid der US-Notenbank Fed vom Mittwochabend. Gegen 20 Uhr sollte klar sein, ob die amerikanischen Währungshüter tatsächlich die Zinswende einläuten. Ein solcher Schritt wäre für den Schweizer Franken, den Export und die Renten durchaus vorteilhaft.

Die weltweiten Finanzmärkte erwarten, dass die Fed erstmals nach beinahe einem Jahrzehnt die Leitzinsen am Mittwoch um 0,25 Prozentpunkte anhebt und dann über die kommenden zwei Jahre an jeder zweiten Sitzung einen weiteren moderaten Schritt tut, um die historische Geldschwemme einzudämmen.

Dollar wird attraktiver

Ein solches Vorgehen wäre tendenziell von Nutzen für die Schweiz. Zum Einen verringert sich der Aufwertungsdruck auf den Franken. Zum Anderen ebnet ein solcher Entscheid langfristig den Weg aus dem ungewöhnlichen Regime der Schweizerischen Nationalbank, die seit knapp einem Jahr Negativzinsen von 0,75 Prozent auf einem Teil der Giroguthaben der Banken erhebt.

Hebt die Fed nun die Leitzinsen an, dann werden Anlagen in Dollar attraktiver. Dank der höherer Verzinsung fliessen mehr Gelder in den Dollar- statt in den Frankenraum und der Franken schwächt sich gegenüber dem Dollar ab. Da die USA nach der EU der zweitwichtigste Handelspartner der Schweiz ist, ist eine Abschwächung des Frankens gegenüber dem Dollar nicht nur währungspolitisch von Vorteil, sondern sie nutzt auch dem Schweizer Export in die USA.

Unterstützung für Exporteure

Im Jahr 2014 gingen rund 12,5 Prozent aller Schweizer Exporte in die USA und rund 55 Prozent in die 28 Länder der EU. Die Schweiz hat also ein Interesse an einer möglichst hohen Zinsdifferenz grundsätzlich zwischen dem Franken und ausländischen Währungen, und auch zwischen der eigenen Währung und der der wichtigen Handelspartner.

Eine solche Zinsdifferenz hat zudem langfristig den Effekt, dass sich die Schweizerische Nationalbank (SNB) von ihrer Politik der Negativzinsen abwenden kann. Ein solcher Negativzins belastet nicht zuletzt auch die schweizerischen Pensionskassen und damit die zukünftigen Renten der zweiten Säule in der Schweiz.

Auch Pensionskassen profitieren

Zwar schätzte im letzten Mai Dewet Moser, stellvertretendes Direktoriumsmitglied der SNB, gegenüber dem Pensionskassenverband die Belastungen auf moderate 400 Millionen Franken pro Jahr. Doch die Abkehr vom Negativzins wäre ein Schritt in die richtige Richtung hin zu normalen Verhältnissen auf dem Finanzmarkt.

Yngve Abrahamsen, Prognoseleiter bei der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich, schränkt jedoch gegenüber der Nachrichtenagentur sda ein, dass eine Abkehr vom Negativzins erst möglich wird, «wenn auch die europäische Zentralbank auf eine weniger expansive Geldpolitik umschwenkt».

Euro für die Schweiz wichtiger

Relevanter für die Schweizer Wirtschaft als das Verhältnis des Frankens zum Dollar ist denn auch das des Frankens zum Euro. Dieses Wechselverhältnis hat sich mit der weiterhin expansiven Geldpolitik, die die europäische Zentralbank (EZB) vor zwei Wochen kommunizierte, kaum verändert.

Und auch die Fed wird nicht zuletzt durch die expansive Geldpolitik der EZB lediglich zu moderaten Zinsschritten bewogen. Denn die Aufwertung des Dollars bedeutet gleichzeitig eine Schwächung des Euros und damit eine Belastung für die amerikanische Exportwirtschaft.

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