29.12.2017 12:01
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
China
Trotz Freihandel keine Exporte
Die Schweizer Fleischbranche will die Stücke des Schweins, die hierzulande nicht als Festtagsschmaus gelten, als Delikatesse nach China verkaufen. Doch ob das nach Millioneninvestitionen sobald möglich ist, entscheiden die Chinesen trotz Freihandelsabkommens Anfang 2018 in Eigenregie.

Bei vielen Familien kommt in den Feiertagen bis Neujahr Schinken oder Schweinefilet im Brotteig auf den Tisch. An diesen Traditionsmenus wird nicht gerüttelt, obwohl Schweinefleisch die letzten Jahre vermehrt als zu fettig und wenig edel kritisiert wurde. Mit einem Anteil von 44 Prozent am verspiesenen Fleisch ist Schweinefleisch, vor allem in verarbeiteter Form, nach wie vor sehr beliebt.

Was bei Speis und Trank vergessen geht: Bei jedem gemetzgeten Schwein fallen vier Füsse, ein Schwänzli, ein Schnörrli und andere Fleischteile an, für die sich in der Schweiz fast niemand interessiert. Doch diese Teile, die hier nicht mehr als lecker gelten, sind für die Chinesen Delikatessen, für die sie gerne teuer bezahlen.

Die Fleischverarbeiter erwarteten, dass das 2014 in Kraft getretene Freihandelsabkommen mit China die Exporte solcher Schlachtnebenprodukte beflügelt. Doch bisher wurde aus der Schweiz kein Fleisch nach China exportiert, wie das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) auf Anfrage bestätigte.

Nachfrage wäre vorhanden

An der Nachfragte liegt es nicht. Die zur Migros gehörenden Fleischverarbeiterin Micarna kriegte bereits etliche Anfragen aus China. «Die Hauptnachfrage richtet sich nach Schweinefüssen, Schweineohren, Schweinebrustrippen sowie Moon- and Soft-Bones», sagt Roland Pfister, Sprecher von Micarna auf Anfrage. 

Micarna schlachtet jährlich 722'000 Schweine, das sind 27 Prozent aller in der Schweiz verarbeiteten Schweine. «Wir sind der Meinung, dass man so viele Teilstücke wie möglich als Lebensmittel nutzen sollte», so Pfister.

Schweiz wäre bereit für Export

Im Direktexport dieser Fleischstücke vom Schnäuzli zum Schwänzli als Delikatessen nach China sieht auch die Centravo Holding ein Geschäft. Das Unternehmen verarbeitet Schlachtnebenprodukte von Fleischverarbeitern wie Micarna, Bell, Sutter und weiteren, und deckt hierzulande rund drei Viertel dieses Marktes ab. 

Sie hatte deshalb 20 Millionen Franken in die neue Tochtergesellschaft Swiss Nutrivalor AG in Oensingen SO investiert, welche Schlacht- und Zerlegereiprodukte für den Export aufbereitet. Der Betrieb startete letzten Sommer. Eigentlich wäre Nutrivalor bereit für den Direktexport nach China.

Beanstandungen der Chinesen


Doch die Chinesen haben die Ausfuhren bisher verhindert. Bei einem Audit bei fünf Schlachtbetrieben im Jahr 2012, als es Nutrivalor noch nicht gab, hatten die Chinesen noch diverse Beanstandungen. Ihnen fehlte vor allem die Kontrolle der ganzen Kette - vom Stall, Transport, Aufbereitung bis zur Verpackung und dem Tieffrieren.

«Nicht zuletzt dank dem neuen Betrieb von Nutrivalor konnten die erwünschten Verbesserungen inzwischen umgesetzt werden», sagte Georg Herriger, Sprecher von Centravo. Die Zulassung für China beurteilt er als ausserordentlich anspruchsvoll.

Für die Ausfuhr von Lebensmitteln tierischer Herkunft nach China, ist eine Einzelbetriebsbewilligung der chinesischen Behörden notwendig. Laut BLW haben chinesische Behörden Ende Oktober erneut sieben am Export nach China interessierte Schweizer Fleischbetriebe inspiziert. Ziel sei die Zulassung für den Export.

Schweineteile dienen als Futtermittel


Auch bei Nutrivalor in Oensigen haben die Chinesen ein Audit durchgeführt. «Die Entscheidung erwarten wir im ersten Quartal 2018», sagte Herriger. Durch die Investition wurden 50 Arbeitsplätze geschaffen. Diese soll sich dereinst amortisieren, weil mit einem lukrativen Direktexport nach China, wieder Wertschöpfung in die Schweiz geholt werden könne.

Bis anhin wurden die Fleischteile deklassiert und grösstenteils zu Futtermittel verarbeitet oder über eine Exportaufbereitung in Deutschland in Länder wie China verkauft.

Höhere Preise zahlen

Bei den Fleischausfuhren machen in der Schweiz «nicht geniessbare» Fleisch- und Schlachtnebenprodukte bereits 80 Prozent des Exportvolumens von 22'000 Tonnen aus - allerdings bei geringem Wert.

Die Mehreinnahmen aus den höherwertigen Direktexporten wollten Centravo und Nutrivalor nicht dazu nutzen, um die eigene Kasse zu füllen, sondern um den Lieferanten, die im Wesentlichen auch Aktionäre der Centravo sind, höhere Preise zahlen zu können, so Herriger.

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