25.04.2013 07:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Michael Wahl, LID
Südafrika
Südafrika: Megafarmen und «Kleinstbetriebe»
Hochproduktiv und auf den Weltmarkt ausgerichtet: Das ist die eine Seite der südafrikanischen Landwirtschaft. Die andere: Kleine Betriebe, die lediglich der Selbstversorgung dienen.

Überall Rinder, soweit das Auge reicht. Rund 50'000 Tiere befinden sich in diesem gigantischen Freilaufstall, der durch Zäune in einzelne Sektionen eingeteilt ist. Auf dem Gelände herrscht derweil rege Betriebsamkeit: Lastwagenweise wird Mais angeliefert und in Flachsilos abgefüllt, die so gross sind, dass selbst die XXL-Maschinen klein aussehen.

Täglich rund 50'000 Steaks

Südafrika, Distrikt Marquard, rund 300 km von Johannesburg entfernt: Hier befindet sich die Sparta-Gruppe. Obwohl diese in Familienbesitz ist, hat sie mit einem Familienbetrieb nichts gemein. Die auf Rindermast spezialisierte Farm umfasst 12'000 Hektaren Land, verteilt auf zwei Standorte. Aus ganz Südafrika und teils auch aus dem benachbarten Namibia kauft die Sparta-Gruppe Kälber an.

Nach Ankunft kommen diese zunächst auf eine Weide, eingeteilt in Gruppen gleichaltriger Tiere. Sind sie gross genug, werden sie auf den Futterplatz gebracht, wo sie während rund 110 Tagen auf 420 kg gemästet werden. Bis zu 650 Tonnen Futter werden täglich an die Tiere verfüttert. Die Hälfte der Ration besteht aus Mais. Geschlachtet wird in der betriebseigenen Metzgerei – rund 200'00 Tiere im Jahr. Stolz wirbt Sparta damit, die südafrikanische Bevölkerung täglich mit rund 50'000 Steaks zu versorgen.

Angefangen hat alles klein und beschaulich: Dirk van Reenen hatte Ende der 1960er Jahren Sparta gegründet – mit gerade mal 30 Rindern. Heute ist Sparta einer der ganz grossen Rindermast-Betriebe und mit 1'200 Mitarbeitenden ein bedeutender Arbeitgeber in der Region. 

Südafrikas Bauern sind hochproduktiv

Szenenwechsel: Kiepersol, eine kleine Ortschaft unweit des Krüger Nationalparks. Hier im Nordosten Südafrikas liegt die Danroc Farm. Auf rund 500 Hektaren werden Bananen, Avocados und Macadamia-Nüsse angebaut. 50 Mitarbeiter sowie 20 Teilzeit-Arbeitskräfte kümmern sich um Anbau und Ernte. Avocado und Macadamia-Nüsse werden im Frühjahr geerntet und allesamt nach Europa und in die USA exportiert. Die Bananen hingegen werden lokal abgesetzt.

Ob Rindermast mit Zehntausenden Tieren oder Anbau von Avocado und Nüssen für den Weltmarkt: Südafrikas Bauern sind hochproduktiv, allerdings nur eine Minderheit. Knapp 40'000 vornehmlich weisse Farmer produzieren auf 82 Mio. Hektaren 95 Prozent der Lebensmittel, die auf den Markt kommen. Rund 3 Mio. Farmer, zumeist schwarzer Hautfarbe, bewirtschaften hingegen kleine Betriebe, wo sie vor allem das anbauen, was sie zur Selbstversorgung brauchen.

Hälfte wird exportiert

Die südafrikanische Landwirtschaft hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt: Die Anzahl Farmen nahm ab, die verbleibenden Betriebe wurden hingegen immer grösser, produktiver und exportorientierter. Wurden 1988 lediglich 5 Prozent der Produktion ausgeführt, waren es 2009 bereits 46 Prozent. Die wichtigsten Agrar-Exportgüter sind Zitrusfrüchte, Mais, Wein, Trauben, Äpfel, Birnen und Quitten. Hauptabnehmer sind die Niederlande, das Vereinigte Königreich, Simbabwe, Mexiko und Mozambique. Mit rund 8,5 Mio. Beschäftigten ist sie ein wichtiger Arbeitgeber.

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