18.12.2012 07:06
Quelle: schweizerbauer.ch -
Österreich
Österreichs Bauern erleiden 2012 deutliche Einkommenseinbusse
Nach einer deutlichen wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung in den vorangegangenen zwei Jahren haben die österreichischen Landwirte 2012 beim Einkommen einen empfindlichen Rückschlag hinnehmen müssen.

Während 2011 das durchschnittliche landwirtschaftliche Faktoreinkommen je Arbeitskraft - gemessen als reale Nettowertschöpfung zu Faktorkosten - noch gegenüber dem Vorjahr um 14,3% zugelegt hatte, gab es in diesem Jahr einen Einbruch um 10,2%. Das geht aus einer ersten Vorschätzung im Rahmen der Landwirtschaftlichen Gesamtrechnung hervor, die vergangene Woche von der Statistik Austria vorgelegt wurde.

Höhere Preise können Ernteausfälle nicht kompensieren

Hauptverantwortlich für die Einkommensverluste waren laut Darstellung der Wiener Statistiker die teils schweren Ernteausfälle, wodurch die landwirtschaftliche Produktion dem Volumen nach deutlich hinter das gute Vorjahresergebnis zurückfiel. Frostschäden und Trockenheit führten vor allem im Osten der Alpenrepublik zu Ertragseinbussen und Mindererträgen bei Getreide, Ölsaaten, Obst, Wein und anderen Kulturen. Hinzu kam eine weitere Verteuerung von Betriebsmitteln.

Dem Rückgang des Produktionsvolumens stand allerdings ein kräftiger Anstieg der landwirtschaftlichen Produzentenpreise gegenüber. Diese lagen im Schnitt um 8,1% höher als vor Jahresfrist. Dieser Anstieg betraf wichtige Produktgruppen wie Getreide, Schweine und Rinder sowie eine Reihe weiterer pflanzlicher Erzeugnisse. Eine Ausnahme bildeten den Statistikern zufolge jedoch die Milchpreise, die niedriger ausfielen als 2011.

In Summe führte die Entwicklung von Produktionsvolumina und Preisen zu einem Anstieg des landwirtschaftlichen Gesamtproduktionswerts um 1,3% auf rund 7,3 Mrd. Euro (8.76 Mrd. CHF). Die höchsten Beiträge zu diesem leichten Plus lieferten der Körnermaisbau, die Schweinehaltung sowie die Rinderproduktion. Sehr starke wertmässige Einbussen verzeichneten hingegen unter anderem der Wein- und der Obstbau.

Strukturwandel setzt sich fort

Nach Angaben von Statistik Austria legten in diesem Jahr die Preise für landwirtschaftliche Vorleistungen in Österreich weiter zu. Insbesondere für Futtermittel, Düngemittel, Treibstoffe und Pflanzenschutzmittel mussten die Bauern tiefer in die Tasche greifen. Der Wert der Vorleistungen ist 2012 nach ersten Schätzungen im Vergleich zum Vorjahr um 6,3% angestiegen.

Die Abschreibungen für das Anlagevermögen erhöhten sich im gleichen Zeitraum um 2,9%. Die im Rahmen der Einkommensberechnung berücksichtigten Förderungszahlungen lagen um 0,9% unter dem Vorjahresniveau und trugen rund 71 % zum landwirtschaftlichen Faktoreinkommen bei.

Das gesamte aus der Landwirtschaft erwirtschaftete Faktoreinkommen lag gemäss den ersten Prognosen um zehn Prozent unter dem Niveau von 2011. Der durch den fortgesetzten Strukturwandel bedingte Rückgang der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte wird von den Statistikern für 2012 auf 1,8% beziffert. Je Arbeitskraft ergibt sich daraus ein durchschnittlicher Einkommensrückgang von nominell 8,3%. Deflationiert mit dem impliziten Preisindex des Bruttoinlandsprodukts (BIP) liegt die reale Abnahme des Faktoreinkommens je Arbeitskraft bei 10,2%.

"Ohne Agrarzahlungen würde keine flächendeckende und kleinbäuerliche Landwirtschaft mehr geben"

Nach den Worten von Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich zeigen die aktuellen Zahlen einmal mehr, dass es mit aller Kraft darum gehe, die Bauerneinkommen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zu sichern. Dies sei jedoch nur mit Hilfe einer gerechten Leistungsabgeltung in Form von Agrarzahlungen zu erreichen.

„Eines muss klar sein: Ohne Agrarzahlungen würde es in Österreich keine flächendeckende und kleinbäuerliche Landwirtschaft mehr geben“, betonte Berlakovich. Die Gesellschaft wünsche sich die vielfältigen Leistungen der Bauern und müsse sich diese auch etwas kosten lassen.

Österreich im EU-Vergleich abgeschlagen

Laut Darstellung des Präsidenten der Landwirtschaftskammer Österreich, Gerhard Wlodkowski, schneidet Österreich beim Faktoreinkommen in diesem Jahr auch im europäischen Vergleich schlecht ab und liegt weit ab vom EU-Durchschnitt auf dem viertletzten Platz. Der Kammerpräsident beklagte, dass die Vorleistungen für die Landwirtschaft generell erheblich gestiegen seien.

Zudem gingen die Preisvolatilitäten eindeutig zu Lasten der Landwirtschaft. Während im Abschwung die Produzentenpreise rasch gesenkt würden, hinkten diese in Phasen des Aufschwungs dem internationalen Preistrend oft wochenlang hinterher. Angesichts der weiteren Energiepreissteigerungen und der Preisvolatilitäten könne die Landwirtschaft daher nur bedingt optimistisch in das Jahr 2013 blicken.

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