19.01.2015 16:20
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Österreich
Österreicher am stärksten in Franken verschuldet
Bei Franken-Fremdwährungskrediten hat Österreich in der gesamten Europäischen Union (EU) die Nase vorn. Mit 35,6 Mrd. Euro Kreditausleihen in Franken führen Banken der Alpenrepublik die Rangliste vor Polen (34 Mrd. Euro) und Frankreich (21,2 Mrd. Euro) an. Die Ratingagentur Moody's warnt.

Die Franken-Kreditausleihen von 35,6 Mrd. Euro entsprechen rund einem Achtel der im Frühling 2014 in Österreich an Nichtbanken ausgeliehenen Kredite. In Deutschland mit zehnmal so vielen Einwohnern sind 14,9 Mrd. Euro an Franken-Krediten ausstehend. In Ungarn sind es 12,6 Mrd. Euro, in Griechenland 8,6 Milliarden, in Luxemburg 5,7 Milliarden, in den Niederlanden 3,1 Mrd. und in Italien 3,0 Mrd. Euro. Das geht aus Daten der Europäischen Zentralbank (EZB) hervor. All diese Ausstände haben sich nun durch die Franken-Aufwertung schlagartig verteuert.

Bei Eigenheimbauer beliebt

Zieht man von der österreichischen Gesamtsumme die Darlehen an Kommunen und Nichtregierungsorganisationen ab, bleiben laut der Österreichischen Nationalbank rund 29,5 Mrd. Euro (per November 2014). Davon entfallen 24,9 Mrd. Euro auf Kredite von Privathaushalten und 4,6 Mrd. Euro auf Firmenkredite in Schweizer Franken. Mit diesen Krediten und den Franken-Darlehen österreichischer Banken in Ost- und Südosteuropa in Höhe von 13,7 Mrd. Euro kommt die Nationalbank auf 43,2 Mrd. Euro.

Franken-Kredite erfreuten sich vor allem bei Eigenheimbauern grosser Beliebtheit, regional gesehen am höchsten ist die Dichte in Vorarlberg und Tirol. 2008 verbot die österreichische Finanzmarktaufsicht Fremdwährungskredite für private Haushalte. Anfang 2009 hatten noch 270'000 Haushalte einen Fremdwährungskredit, zuletzt nur noch knapp 154'000.

Negative Auswirkungen aufs Kreditrating

Die Freigabe des Franken-Wechselkurses durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) wirkt sich negativ auf die Kreditwürdigkeit der österreichischen Banken aus. Auf die Schuldner kämen härtere Zeiten und höhere Kreditkosten zu, teilte Ratingagentur Moody's am Montag mit.

Zusätzlich sind die österreichischen Banken auch durch Franken-Kredite im Osten Europas exponiert. Innerhalb dieser Länder hatten gemäss Moody's Ungarn, Polen, Kroatien, Serbien und Rumänien die höchsten Anteile an Franken-Fremdwährungskrediten. In Ungarn wirke sich allerdings der Plan der Regierung, die Konvertierung in Forint-Kredite zu einem günstigen Kurs zu ermöglichen, mildernd aus.

Unter den nur in Österreich tätigen Banken schätzt die Ratingagentur die Hypo Landesbank Vorarlberg und Hypo Tirol als die von einem festeren Franken am stärksten betroffenen Banken ein. 29 Prozent des Kreditbuches der Hypo Vorarlberg und 14 Prozent der Kredite der Hypo Tirol würden auf Schweizer Franken lauten.

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