5.02.2013 08:01
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE/blu
Österreich/Deutschland
Österreich: Neues Milch-Liefermodell sorgt für Zoff
Auf wenig Begeisterung unter Österreichs Milchbauern ist die grösste Molkerei des Landes, die Berglandmilch, mit ihrem Vorschlag für ein neues Liefermodell gestossen, welches ab 2015, nach dem Auslaufen der EU-Milchquotenregelung, gelten soll.

Das Molkereiunternehmen hatte das neue Modell kurz vor dem Jahreswechsel in einem Rundschreiben an seine Mitglieder in Aussicht gestellt. Der Vorschlag sieht vor, dass eine Überlieferung von Milch auch in Zukunft nicht ohne Strafzahlungen möglich sein soll. Die Molkerei will für Milchmengen, die über die aus einem historischen Referenzzeitraum resultierenden Lieferrechte hinausgehen, „Verwertungsbeiträge“ einbehalten.

Unzufrieden sind vor allem jüngere Bauern

Kritiker sehen darin eine entscheidende Schwächung der Wettbewerbsfähigkeit der Höfe am künftigen quotenfreien Markt. Seit Jahresbeginn hagelt es daher auf Bauernversammlungen und vor allem in Internet-Diskussionsforen Kritik an der Führung der Berglandmilch. Dem Management und den obersten Funktionären wird vorgeworfen, die Genossenschaftsmitglieder nur halbherzig über das künftige Milchpreismodell zu informieren.

Unzufrieden seien vor allem junge Hofübernehmer, die bis zum Systemwechsel ihr Milchkontingent aufstocken wollten oder das bereits getan hätten und ihre Betriebsquoten schon heute überlieferten, hiess es. Nicht wenige Milchbauern sehen sich mit dem neuen Liefermodell im Nachteil.

Mitbewerber wie Vöcklakäserei mehr betroffen

Allerdings wenden sich nicht primär unzufriedene Landwirte der Berglandmilch von ihrem Werk ab, sondern eher die Lieferanten unmittelbarer Konkurrenten. So will dem Vernehmen nach etwa ein Drittel der 270 Lieferanten der Vöcklakäserei am Rande des Salzkammerguts ihrer Genossenschaft den Rücken kehren und die Milch - immerhin mehr als 10 Mio. Liter pro Jahr - nach Bayern liefern, und zwar ins „Hochwald“-Werk der Allgäuer Alpenmilch, unmittelbar hinter der Grenze bei Altötting.

„Dabei sind wir für den höchsten Milchpreis Österreichs bekannt“, zeigte sich Josef Knoll, Obmann der Vöcklakäserei, ratlos. Nicht die Heumilchbauern, sondern die konventionell produzierenden Milchbauern gehen dem Unternehmen verloren. Branchenbeobachter sehen auch vermehrt Lieferanten der Gmundner Milch abspringen.

Bei beiden Genossenschaften können die Mitglieder bis zum 28. Februar kündigen. Erst im Dezember hatte die Gmundner Molkerei ihre Mitglieder darüber informiert, dass man keine Mengengrenzen einführen werde.

Vor allem grössere Milchviehbetriebe, an denen die Abnehmer in Bayern wegen der geringeren Sammelkosten am meisten interessiert sind, schenken dem jedoch offenbar nur bedingt Glauben.

Gezielt zum Wechsel motiviert

Umworben werden die verunsicherten Milchbauern vor allem von der Milchliefergemeinschaft Alpenland. Deren Geschäftsführer Martin Detzelhofer, selbst Milchbauer im Innviertel, ist seit Wochen auf Suche nach Lieferanten für seine bayerischen Kunden. Die Sammelgemeinschaft vermittelt seit 2001 Milch an bayerische Molkereien wie Bergader und Jäger. Knapp 600 Milchbauern aus dem grenznahen Inn- und Mühlviertel habe man zum Wechsel motivieren könne, so Detzlhofer. Diese seien bisher auch zufrieden bei der Stange geblieben.

In alarmierten österreichischen Funktionärskreisen geht man davon aus, dass Detzlhofer schon bald auch noch unter den unzufriedenen Lieferanten der Berglandmilch zahlreiche Umsteiger abwerben könnte. In Bayern seien die Qualitätsauflagen und Preisabzüge geringer, betonte Detzelhofer. Auch die hohen Kosten für die von Österreichs Molkereien flächendeckend umgesetzte gentechnikfreie Fütterung der Milchkühe fallen jenseits des Inns weg

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