20.12.2013 12:08
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Österreich
Österreich: Einkommen der Bauern sinkt deutlich
Die österreichischen Bauern werden auch in diesem Jahr wieder Einkommenseinbussen hinnehmen müssen. Darauf deutet die erste Vorausschätzung im Rahmen der Landwirtschaftlichen Gesamtrechnung hin, die vergangene Woche von der Statistik Austria vorgelegt wurde.

Demnach wird das landwirtschaftliche Einkommen je Arbeitskraft - gemessen als Nettowertschöpfung zu Faktorkosten - im Durchschnitt voraussichtlich real um 8,8% kleiner ausfallen als 2012. Bereits im vergangenen Jahr hatte es einen Einkommensrückgang um 7,1% gegeben.

Niedrige Preise und schlechte Ernten

Als Gründe für das neuerliche Minus führen die wiener Statistiker niedrige Getreidepreise sowie schlechte Ernten bei gleichbleibenden bis steigenden Kosten an. Wie bereits im Vorjahr hätten ungünstige Witterungsverhältnisse der österreichischen Landwirtschaft stark zugesetzt. Dies habe zu Ertragsminderungen bis hin zu teilweisen Ernteausfällen geführt.

Der Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, Gerhard Wlodkowski, sieht die neue Wiener Regierung vor der grossen Aufgabe, alles zu unternehmen, um die bäuerlichen Einkommen wieder zu stabilisieren. Dazu sei nicht nur die 50:50-Kofinanzierung der ländlichen Entwicklung notwendig, die im Koalitionsvertrag stehe. Zusätzlich brauchten die Bauern auch finanzielle Rahmenbedingungen, die ein positives Wirtschaften der Betriebe möglich machten.

„Wir wollen keine Geschenke, doch sollen die bäuerlichen Betriebe bei ihrer unternehmerischen Tätigkeit optimal begleitet werden“, erklärte Wlodkowski. Dazu gehörten sichere Finanzmittel ebenso wie ein rechtlicher Rahmen, der den produzierenden Landwirten gesicherte Bedingungen garantiere.

Hohe Ausfälle beim Körnermais

Nach Angaben von Statistik Austria war das Produktionsvolumen im Pflanzenbau insgesamt rückläufig. Ausschlaggebend dafür waren ein langer Winter, gefolgt von einem verregneten Frühjahr, lokalen Hochwasserschäden im Frühsommer und extremer Hitze und Trockenheit im Sommer. Von der Trockenheit besonders betroffen war der Süden Österreichs. Erhebliche Ertragsminderungen bis hin zu Totalausfällen waren insbesondere beim Körnermais zu verzeichnen. Deutliche Ertragseinbussen gab es jedoch unter anderem auch im Futterbau, bei den Hackfrüchten und Sojabohnen.

In der tierischen Erzeugung nahm das Produktionsvolumen ebenfalls ab, allerdings nur sehr moderat. Die landwirtschaftlichen Produzentenpreise veränderten sich im Mittel nur geringfügig (-0,8%). Während die Produzentenpreise für Getreide und Handelsgewächse stark nachgaben, stiegen die Milchpreise kräftig an. Höhere Preise wurden auch für Kartoffeln, Gemüse und Geflügel erzielt.

In der Summe führte die Entwicklung von Erzeugungsvolumina und Preisen zu einem Rückgang des landwirtschaftlichen Gesamtproduktionswerts um 3,1% auf rund 7 Mrd. Euro (8,5 Mrd. Fr.). Den höchsten Beitrag zu diesem Minus lieferte der Körnermais, gefolgt vom Futterbau. Gedämpft wurde der Rückgang durch die höheren Erlöse in der Milchproduktion. Der Produktionswert der pflanzlichen Erzeugung verringerte sich im Vorjahresvergleich um 10,2%, während der Wert in der Tierproduktion weiter zunahm, und zwar um 2,9%.

Erstmals keine Mineralölsteuerrückvergütung

Die Aufwendungen der Landwirtschaft für Vorleistungen blieben laut ersten Schätzungen im Vorjahresvergleich stabil. Tierhaltende Betriebe waren in der ersten Jahreshälfte mit hohen Futtermittelpreisen konfrontiert, und in der zweiten Jahreshälfte kam es bei den Futtermitteln zu Preisrückgängen. Verteuerungen bei Strom und Pflanzenschutzmitteln standen niedrigere Preise für Düngemittel und Treibstoffe gegenüber.

Hinsichtlich der Treibstoffkosten gilt laut Statistik Austria allerdings zu berücksichtigen, dass den Landwirten 2013 erstmals keine Mineralölsteuerrückvergütung mehr gewährt wurde. Die Abschreibungen für das Anlagevermögen nahmen um 2,9% zu. Die im Rahmen der Einkommensberechnung berücksichtigten Förderungszahlungen betrugen 2013 rund 71% des landwirtschaftlichen Faktoreinkommens und erhöhten sich gegenüber 2012 um 1,8%.

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